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KI und Lang­lebigkeit – das per­fekte Paar?

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An der Börse stiehlt der Boom von Künstlicher Intelligenz (KI) defen­siveren Bereichen die Schau. Chi Tran-Brändli und Clément Maclou plädieren in ihrer Analyse dennoch dafür, Werte aus dem Univer­sum des nach­haltigen Investment­themas gesunde Lang­lebigkeit genauer anzu­schauen. Denn nicht nur verfügen diese Titel über struktu­relle Stärken – KI könnte diese Vor­teile sogar noch verstärken.

Autoren: Clément Maclou, Lead-Portfoliomanager, und Chi Tran-Brändli , Senior Portfoliomanager

Langlebigkeit und KI als perfektes-Paar
Unternehmen aus dem Universum gesunde Langlebigkeit sind oftmals Pioniere in der Anwendung von KI: So gelangt beispielsweise Physiotherapie auf die App (Bild: istockphoto.com).

Die wichtigsten Merk­punkte zum Zusammen­spiel von KI und Lang­lebigkeit im Port­folio:

  1. Nachdem sich die geopolitischen Ängste gelegt haben, fokussieren die Anlegerinnen und Anleger wieder voll auf Künstliche Intelligenz (KI). Defensivere Bereiche wie etwa der Healthcare-Sektor geraten dabei zeitweilig aus dem Blickfeld.
  2. Allerdings: die Demografie überdauert das Hin und Her von Märkten und Geopolitik. Der strukturelle Trend zur Bevölkerungsalterung dürfte für eine stetig zunehmende Nachfrage nach Angeboten aus dem Universum des Investmentthemas gesunde Langlebigkeit sorgen.
  3. Sollte es im KI-Bereich zu unerwarteten Rücksetzern kommen, können die defensiven Eigenschaften des Investmentthemas zur Absicherung eines Anlageportfolios beitragen.

DRAM statt IRAN: Der Spruch bringt die jüngste Entwicklung an den Finanzmärkten auf den Punkt. Kaum waren ab Ende vergangenen März die Ängste rund um den Konflikt im Nahen Osten Ende etwas verflogen, haben sich die Anlegerinnen und Anleger wieder mit Inbrunst dem epochalen Wachstumspotenzial der Künstlichen Intelligenz (KI) zugewandt. DRAM steht dabei für Dynamic Random Access Memory, den für KI-Berechnungen essenzielle Arbeitsspeicher von Computern.

Von den schwindelerregend hohen Bewertungen, welche die mit der Zukunftstechnologie in Verbindung stehenden Titel aufweisen, lassen sich die Marktteilnehmenden offensichtlich nicht beirren.

Die Rückkehr des «Risk-on»-Modus an den Börsen hat zur Folge, dass andere Werte ins zweite Glied zurücktreten müssen. Von dieser Verschiebung betroffen ist auch das sprichwörtlich defensive Investmentthema gesunde Langlebigkeit (Healthy Longevity), wie wir es in unserer nachhaltigen Aktienstrategie definieren.

KI-Story übertönt defensive Qualitäten des Investmentthemas Langlebigkeit

Das hat sich wie folgt ausgewirkt: Nach einer zeitweiligen Aufholjagd vom Oktober 2025 bis im vergangenen Februar mussten insbesondere Healthcare-Werte erneut hinter der alles übertönenden «KI-Story» zurückstehen. Dies, obschon sie relativ günstig bewertet sind – und obwohl die Unternehmen, die mit ihren Produkten und Dienstleistungen den Wunsch nach einem gesunden langen Leben adressieren, oft zu den Pionieren in der Anwendung von KI zählen.

Doch unserer Meinung nach ist es aus Anlagesicht nicht zielführend, sich jetzt zwischen KI und dem Investmentthema Langlebigkeit zu entscheiden. Denn damit werden zwei Bereiche gegeneinander ausgespielt, die sich ideal ergänzen können. Die atemberaubende Wachstumsstory von KI-Titeln hüben und das von strukturellen Trends getragene Investmentthema gesunde Langlebigkeit drüben: sie bilden unseres Erachtens einen attraktiven «Pair Trade» in einem nach nachhaltigen Kriterien aufgesetzten Portfolio.

Dafür, dass Werte aus dem Universum gesunde Langlebigkeit auch weiterhin zu den Gewinnern struktureller Trends zählen könnten, sprechen unserer Meinung nach folgende Argumente:

  • Trügerisches Rampenlicht Der Fokus auf ein dominantes Narrativ gehört fest zur Psychologie des Anlegens. In solchen Phasen können strukturelle Anlagethemen wie gesunde Langlebigkeit vorübergehend aus dem Blickfeld von Investorinnen und Investoren verschwinden. Dies nicht etwa, weil sich die Fundamentaldaten jener Themen verschlechtert hätten. Sondern, weil sich die Aufmerksamkeit auf andere Bereiche verlagert. Doch das Interesse des Marktes kann mit Wucht zurückkehren: Solche Muster zu erkennen und sich frühzeitig darauf vorzubereiten, kann über Erfolg und Misserfolg einer Anlagestrategie entscheiden. Vor diesem Hintergrund betrachten wir das langfristige Investmentthema Langlebigkeit als Gegenmittel gegen unerwartete «Luftlöcher» beim attraktiven, aber inzwischen teuer bewerteten KI-Segment.
  • Immer älter Langfristige, strukturelle Trends überdauern das Hin und Her von Märkten und Geopolitik. Bestes Beispiel dafür ist die Demografie: Die Alterung der Gesellschaft schreitet weltweit und seit Jahrzehnten unaufhaltsam voran. So ist gemäss Erhebungen der UN aus dem Jahr 2022 die Sterblichkeit im Zeitraum zwischen den Jahren 1950 und 2021 global in allen Alterskohorten unter 55 Jahren erheblich zurückgegangen (siehe Grafik unten). Aber auch bei den Seniorinnen und Senioren zeigen sich über die Zeit deutliche Unterschiede. So wies im Jahr 1950 die Alterskohorte der 70- bis 74-Jährigen die höchste Sterblichkeit auf. Im Jahr 2021 wurde die höchste Sterblichkeit in der Kohorte der 80- bis 84-Jährigen registriert.
  • Stetige Nachfrage Der demografische Trend hat tiefgreifende Folgen für die Gesundheit: Ältere Menschen sind anfälliger für chronische Krankheiten und Beschwerden aller Art. Das spricht unseres Erachtens dafür, dass die Nachfrage nach Behandlungen dieser Leiden, nach Diagnostik und medizinischen Technologien stetig zunimmt. Gleichzeitig hoffen wir wohl alle, so lange wie möglich gesund, aktiv und unabhängig zu bleiben – dieser Wunsch ist mithin die Grundlage des Investmentthemas gesunde Langlebigkeit und seine Subthemen, wie wir sie für unsere nachhaltige Aktienstrategie formuliert haben. Es sind dies neben Healthcare- und Medtech-Werten die Bereiche gesunder Lebensstil, Finanzen sowie, Produkte und Dienstleistungen für ältere Menschen, die so genannte Silver Economy.

Demografie spricht für Investment-Thema gesunde Langlebigkeit: Verteilung der Sterbefälle auf die Altersgruppen in den Jahren 1950 und 2021 (ohne die Altersgruppe 0-4, in % aller Sterbefälle im jeweiligen Jahr)

Quelle: UN, Department of Economic and Social Affairs, Population Division: World Population Prospects: The 2022 Revision.

Ausufernde Gesundheitskosten – ein Treiber für KI und Langlebigkeit zugleich

Noch enger zusammen rücken das disruptive Potenzial der Zukunftstechnologie und die Chancen der gesunden Langlebigkeit, wenn ein weiterer, wichtiger Treiber des Investmentthemas in Betracht gezogen wird: die Gesundheitskosten.

Denn aufgrund des Trends zur Langlebigkeit nehmen die Gesundheitskosten in Industrieländern stark zu. Die Ausgaben klettern bereits seit Jahren und machen in OECD-Ländern bereits zwischen 8% und 18% des BIP aus, wie die internationale Organisation im Jahr 2024 schätzte. Nachdem die ältesten Babyboomer nun 80 Jahre alt werden, dürfte dieser Prozentsatz weiter ansteigen. Gleichzeitig schrumpft die Erwerbsbevölkerung tendenziell; das verschärft die Herausforderungen, die sich bei der Finanzierung von Gesundheitssystemen stellen.

Das rückt eine der grossen Hoffnungen in Zusammenhang mit KI in den Fokus: Die durch den Einsatz der Technologie zu erwartenden Effizienzgewinne. Die Anwendungsmöglichkeiten spezifisch im Einsatz gegen ausufernde Gesundheitskosten sind vielfältig – zu denken ist beispielsweise an die Früherkennung von Krankheiten, der Arzneimittelforschung und -entwicklung sowie der Optimierung klinischer Studien. Und das ist nicht etwa Science-Fiction. Wie wir bereits diskutierten, zählen Unternehmen aus dem Universum der gesunden Langlebigkeit zu den Pionieren bei der Anwendung von KI.

Healthcare profitiert von KI-Entwicklung: Drei Unternehmensbeispiele

Aus Anlagesicht lässt sich also das «Sowohl-als-auch» von KI und Healthcare noch weiter untermauern, indem sich durchaus Unternehmen aus dem Gesundheitssektor finden, welche in der Anwendung der Zukunftstechnologie eine Vorreiterrolle einnehmen und mit ihrem Geschäftsmodell solide Eintrittsbarrieren gegenüber möglicher Konkurrenz aufgebaut haben. Solche aus Anlagesicht attraktive Perspektiven sind derzeit aufgrund der jüngsten Bewertungskorrekturen bei defensiven Werten erst noch zu oftmals günstigen Kursen zu haben. Das zeigt sich beispielhaft an folgenden Unternehmen:

  • IQVIA: Das US-Unternehmen ist ein weltweit führender Anbieter von Analysen, Technologielösungen und Auftragsdiensten in der Arzneimittelforschung. Die Firma nutzt dazu unter anderem eine Datenbank mit mehr als 1,2 Mrd. Gesundheitsdatensätzen. Dies, um Organisationen im Gesundheitswesen dabei zu unterstützen, die klinische Forschung voranzutreiben und die Behandlungsergebnisse für Patienten zu verbessern – ein wichtiges Anliegen aus nachhaltiger Anlagesicht.

    KI-Perspektive: IQVIA hat kürzlich in Zusammenarbeit mit dem Chip-Hersteller NVIDIA eine KI-Plattform zur Marktreife gebracht und setzt bereits KI-Agenten ein, dank denen Kunden riesige Datenmengen effizienter bearbeiten können. Dies könnte die Arzneimittel-Entwicklung sowie die Nachfrage nach Dienstleistungen des Unternehmens nochmals beschleunigen. Die riesige, exklusive Datenbank verschafft der Firma zudem ein dominante Marktstellung, die nur schwer substituiert werden kann.

  • Waystar: Das US-Unternehmen wurde im Jahr 2017 mit dem Ziel gegründet, die enormen administrativen Ineffizienzen und damit die Kosten im komplexen US-Gesundheitssystem zu reduzieren. Mit einer cloudbasierten Plattform kann es etwa Krankenhäusern und Arztpraxen umfassende Unterstützung bei ihren oft komplexen Abrechnungsprozessen bieten.

    KI-Perspektive: Mit dem Modell Altitude AI sucht das Unternehmen die Genauigkeit von Rechnungen und Rückforderungen (Claims) zu erhöhen. Damit soll die Zahl der zurückgewiesenen Transaktionen verringert werden – ein klassischer Einsatz von KI zur Effizienzsteigerung, um letztlich die steigenden Gesundheitskosten zu kontern. KI kann zudem die Position von Waystar als Nummer zwei (hinter dem Marktführer UnitedHealth) als Clearingstelle für medizinische Transaktionen in den USA festigen.

  • Hinge: Das US-Unternehmen bringt Physiotherapie auf das Smartphone. Die Plattform von Hinge ist darauf ausgelegt, ein breites Spektrum an Erkrankungen des Bewegungsapparats zu behandeln, darunter akute oder chronische Schmerzen sowie die Rehabilitation nach Operationen. Zu den Kunden zählen unter anderem Unternehmen, welche die Applikation als Teil von Gesundheitsprogrammen für ihre Angestellten führen.

    KI-Perspektive: Die Fernbehandlungs-App setzt auf KI, um die Patientinnen und Patienten im Zusammenspiel mit «Wearable»-Sensoren Schritt für Schritt durch Trainingseinheiten zu führen. Die Niederschwelligkeit des Trainings soll dabei helfen, Muskel- und Skelettbeschwerden möglichst früh zu begegnen und damit kostenintensiven Langzeitleiden vorzubeugen.

Unser Fazit:

Phasen, die von makroökonomischen oder geopolitischen Verwerfungen geprägt sind, bieten oft Gelegenheit, langfristige Themen zu attraktiveren Bewertungen erneut in Betracht zu ziehen. Anlegerinnen und Anleger, die sich ausschliesslich auf die aktuelle Lage oder am Markt dominierende Narrative konzentrieren, gehen damit ein Risiko ein: Sie laufen Gefahr, Kräfte wie die Demografie oder die Innovation zu übersehen, welche die Nachfrage im Gesundheitswesen in den kommenden Jahrzehnten weiterhin prägen könnten. Mit der nötigen Expertise lassen sich jetzt schon Unternehmen finden, welche die Zukunftstechnologie KI mit strukturellen Nachfragetrends kombinieren.

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