Silber baut Momentum auf
Edelmetalle legten im August kräftig zu, wichtige Widerstände wurden durchbrochen (Gold > USD 4’500). Nun ziehen auch die ETF-Flows an. Wir kaufen Silber dazu, da wir hier noch mehr Potenzial sehen als bei Gold.
Die Eingriffe des US-Finanzministeriums in die Bond- und Währungsmärkte haben die Investoren verunsichert und für Volatilität an den Obligationenmärkten gesorgt. Der USD gerät unter Druck, während Edelmetalle, vor allem Silber, an Momentum gewinnen. Gleichzeitig bleiben die hohen Realrenditen globaler Staatsanleihen und das starke Gewinnwachstum bei Aktien attraktiv. Unsere Stossrichtung im Portfolio behalten wir – trotz einiger kleiner Anpassungen.
Text: Roger Rüegg
Das US-Finanzministerium zeigte sich im August von seiner aktivistischen Seite: Zuerst stützte es in Zusammenarbeit mit der Bank of Japan den Yen, danach kündigte es verstärkte Rückkäufe langfristiger US-Staatsanleihen an. Damit soll die Zinskurve abgeflacht und die Zinslast der US-Regierung reduziert werden. Beide Effekte sind aber schnell verpufft und zeugen von einer gewissen Nervosität. In der Folge hat der USD rund 3% verloren, während «Misstrauens-Assets» wie Edelmetalle oder Kryptos deutlich zulegten. Ein Indiz dafür, dass Anlegerinnen und Anleger Vertrauen in den USD verlieren oder sich absichern wollen.
Wir sehen die Gründe für den starken Renditeanstieg bei US-Staatsanleihen nicht primär bei Inflations- oder Verschuldungsängsten, denn die Inflationserwartungen bleiben verankert. Hinzu kommt, dass auch die Renditen von Staaten mit tiefer Verschuldung stark angestiegen sind. Es handelt sich daher eher um ein globales Zinsphänomen als um ein isoliertes US-Problem.
Da die Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihe aber nach oben ausgebrochen ist, reduzieren wir dort das Risiko und verschieben unseren Fokus nach Australien. Grundsätzlich halten wir Staatsanleihen bei den aktuell hohen Realrenditen weiterhin für attraktiv und bleiben im Übergewicht.
Die von uns erwartete Erholung von Tech-Aktien ist im August eingetreten und dürfte auch im September anhalten. Wir bleiben deshalb bei Tech-Aktien übergewichtet und kaufen bei den Schwellenländern nochmals dazu. Neben Tech schätzen wir Banken und Minenaktien als interessant ein. Diese finden wir insbesondere in Kanada, weshalb wir dort zulasten von Small Caps dazukaufen. Schweizer Aktien sind weiterhin zu teuer und defensiv, weshalb wir dort untergewichtet bleiben. Bei europäischen Aktien sind wir neutral. Die Konjunktur gewinnt zwar an Fahrt, allerdings dürfte der starke Euro die Gewinnentwicklung belasten und die europäischen Banken sind nach einem sensationellen Run (über 200% in 3 Jahren) nun etwas überkauft und teuer.
Bei den alternativen Anlagen bleiben wir im Untergewicht bei den kotierten Schweizer Immobilienfonds. Die etlichen Kapitalerhöhungen und die höheren Renditen beginnen zwar langsam auf den Index zu drücken, die Bewertung ist aber weiterhin hoch. Neu gehen wir in ein Übergewicht bei Edelmetallen, wobei wir beim Silber noch mehr Potenzial als bei Gold sehen. Die De-Dollarisierung scheint wieder an Fahrt zu gewinnen und deshalb reduzieren wir die US-Dollar-Quote im Portfolio, während wir den australischen Dollar aufbauen.
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