Börsenjahr 2026: Volltreffer bei zwei von drei Hauptthesen
Die ersten sechs Börsenmonate standen ganz im Zeichen geopolitischer Krisen und dem starken KI-Boom. Zeit für eine Zwischenbilanz: Wie haben sich unsere Ende 2025 formulierten drei Kernthesen bewährt – und wo justieren wir unsere Strategie jetzt nach?
Wie jedes Jahr haben wir in unserem Market Outlook im Dezember 2025 drei Hauptthesen, sogenannte Main Beliefs, für das nächste Jahr aufgestellt:
Mit Blick auf das abgeschlossene erste Halbjahr lässt sich festhalten: Zwei der drei Thesen waren ein Volltreffer. Der Technologiesektor erwies sich mit über 20% Rendite erneut als der mit Abstand beste Sektor. Interessant ist dabei, dass im Gegensatz zu den vergangenen Jahren nicht die so genannten Magnificent 7 den Ton angaben, sondern die «zweite Garde» wie Intel und Micron die Performance lieferten. Die Dominanz der Technologiefirmen dürfte unserer Einschätzung nach auch im zweiten Halbjahr anhalten. Auch am Thema Elektrifizierung halten wir fest. Der strukturelle Trend hin zu elektrischen Antrieben, intelligenten Stromnetzen und einer wachsenden Zahl stromintensiver Anwendungen (Rechenzentren, E-Mobilität, Wärmepumpen) sorgt weiterhin für hohen Investitionsbedarf entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Diese langfristigen Wachstumstreiber bleiben intakt, unabhängig von kurzfristigen Konjunkturschwankungen.
Dank der sehr starken Performance der Halbleiteraktien – namentlich SK Hynix, Samsung und Taiwan Semiconductors – erzielte der Schwellenländer-Index (MSCI Emerging Markets Index) eine Performance von rund 24 Prozent und lag damit vor allen anderen Aktienregionen. Aber auch bei den Obligationen gehörten Schwellenländeranleihen mit 4,5% Rendite in CHF zu den Top-Performern. Diese Positionierung hat sich stark ausbezahlt.
Nur die naive Realrendite ist gefallen
Obwohl die naive Realrendite (Verfallsrendite abzüglich aktuelle Inflationsrate) aufgrund des Erdölpreisschocks wegen dem Irankrieg tatsächlich von rund 2% auf 0% kollabiert ist, ist die eigentlich korrekte Realrendite, welche die Inflationserwartungen berücksichtigt, sogar noch weiter angestiegen (siehe Chart). Diese These ist deshalb nicht aufgegangen und die Staatsanleihen (abgesichert in CHF) lieferten erneut keinen signifikanten Performancebeitrag. Auch das erhöhte strategische Gewicht im Gold und die Reduktion des USD bestanden den Realitätstest nicht.
Anpassung Nr. 1: «Standby» anstatt «Bye Bye» bei den Realrenditen
Ein Hauptgrund, weshalb die damals aufgestellte These «Bye Bye positive Realrenditen» bislang noch unbestätigt bleibt, ist Kevin Warsh. Der neue Chef der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat überraschend betont, dass er die Inflation bekämpfen möchte. Damit hat er dem Markt Vertrauen zurückgegeben, und die Sorgen bezüglich der Unabhängigkeit der Notenbank haben sich etwas verflüchtigt. Der Zinssenkungs-Zyklus der Fed dürfte somit entgegen unserer ursprünglichen Erwartung wohl beendet sein. Für das zweite Halbjahr gilt deshalb eher «Standby» als «Bye Bye» bei den Realrenditen. In der Folge dürfte sich der USD weniger stark abschwächen als befürchtet, was wiederum für eine tiefere Währungsabsicherung spricht.
Neben dem Währungsausblick sind für den optimalen Absicherungsgrad auch die Zinsdifferenz und die Risikodiversifikation relevant. Die Zinsdifferenz ist seit Anfang Jahr von 2,8 auf heute 3,2% angestiegen, was grundsätzlich für einen tieferen Absicherungsgrad spricht. Aus Risikooptik ist indes Vorsicht angebracht: Die Korrelation zwischen dem Wechselkurs USD/CHF und den Anlagekategorien in Fremdwährungen (dominiert vom USD) ist zuletzt angestiegen. Wir erhöhen deshalb im Portfolio den USD-Anteil fürs zweite Halbjahr etwas – jedoch nicht so stark, wie es der positivere Währungsausblick und die Zinsdifferenz nahelegen würden.
Chart: Die Korrelation zwischen Aktien bzw. Obligationen und dem USD/CHF Kurs steigt und erhöht das Portfoliorisiko aus Anlagen in USD
Anpassung Nr. 2: Zykliker auf der Überholspur
Obwohl wir die Schwellenländer weiterhin als attraktiv einstufen, hat unsere Konfidenz etwas abgenommen. Die Marktbreite innerhalb der Schwellenländer ist unseres Erachtens schlecht und gerade in Korea beobachten wir eine gefährliche Euphorie. Trotz weiterhin tiefer Bewertungen und hohen Gewinnwachstums hat das Korrektur-Risiko zugenommen. Weiter ist die Entwicklung des USD für Schwellenländer vom Treiber zum Bremsklotz avanciert. Unsere Präferenz liegt deshalb mittlerweile stärker bei zyklischen Titeln – etwa Nebenwerten und Industriefirmen aus der Kreislaufwirtschaft –, die dank der starken US-Konjunktur Momentum aufbauen und in der Regel auch ein gutes Gewinnwachstum aufweisen.
Chart: Angepasste Main Beliefs für zweites Halbjahr 2026
Rechtliche Hinweise
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