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Ölpreisschock überwunden – Gold- und Tech-Aktien auch im zweiten Halbjahr gefragt

Kein Comeback des Ölpreises über 100 Dollar, kein Zittern: Chief Investment Officiers (CIO) von Schweizer Finanzinstituten sehen den Ölpreisschock als überwunden und setzen weiterhin entschlossen auf Realwerte.

Swisscanto CIO Survey

Kein Comeback des Ölpreises über 100 Dollar, kein Zittern: Chief Investment Officiers (CIO) von Schweizer Finanzinstituten sehen den Ölpreisschock als überwunden und setzen weiterhin entschlossen auf Realwerte.

Dies zeigt die zweite Ausgabe des CIO Survey von Swisscanto. Darin beurteilen die befragten CIOs die Entwicklung diverser Assetklassen und legen ihre Asset Allokation für die nächsten sechs Monate dar. Die Umfrage bietet wertvolle Einblicke in die Positionierung und Marktmeinungen der Schweizer Finanzinstitute.

  • Geliebt vs. gemieden: Gold bleibt bei den Schweizer CIOs trotz einer Korrektur von 25 Prozent seit Januar und dem erwarteten Kriegsende im Iran die beliebteste Anlageklasse, während CHF-Obligationen durchs Band gemieden werden.
  • Sentiment: Die Mehrheit der befragten CIOs zeigt sich optimistisch und rund die Hälfte setzt im Portfolio verstärkt auf Aktien. Im Vergleich zu Ende 2025, hat die Aktienquote jedoch leicht abgenommen, vor allem bei Schweizer Aktien.
  • Überraschung: Trotz Irankrieg rechnet kein CIO mehr mit einem erneuten Ölpreisanstieg auf über USD 100 – und dennoch ist rund ein Drittel bei Rohstoffen übergewichtet.

Überraschung: Irankrieg für CIOs bereits abgehakt

Der Irankrieg scheint für die Befragten mit Blick auf deren Ölpreisprognose bereits beendet zu sein. So rechnet keiner der CIOs mit einem erneuten Ölpreisanstieg auf über USD 100. Dies überrascht, da aktuell die Friedensverhandlungen zäh verlaufen und eine erneute Eskalation nicht ausgeschlossen ist. Die deutliche Mehrheit der Umfrageteilnehmenden geht davon aus, dass sich der Ölpreis in einer Spanne von USD 60 bis USD 80 pro Barrel einpendeln wird (siehe Abbildung 1). Zum Vergleich: Vor Ausbruch des Iran-Konflikts notierte das Barrel bei rund USD 70.

 

Abbildung 1: Anzahl Antworten 50 (Quelle: Zürcher Kantonalbank)

Noch kein globaler Zinserhöhungszyklus

Dazu passt, dass lediglich 22 Prozent der CIOs bis Ende Jahr mit einer Zinserhöhung der US-Notenbank Federal Reserve rechnen. Bemerkenswert ist dies vor dem Hintergrund, dass die Finanzmärkte derzeit gegen zwei Zinserhöhungen bis Ende Jahr einpreisen. «Die Inflationsgefahr infolge steigender Ölpreise wird von den Schweizer CIOs somit offenbar als weniger gravierend beurteilt», sagt Nicola Grass, Verantwortlicher der Swisscanto CIO Survey und Senior Portfolio Manager im Asset Management der Zürcher Kantonalbank. Für die Europäische Zentralbank und die Bank of Japan erwartet indes die Mehrheit der Befragten eine weitere Zinserhöhung (siehe Abbildung 2), was im Einklang mit dem aktuellen Markterwartung steht. Bei der Schweizerischen Nationalbank wird hingegen mehrheitlich von stabilen Leitzinsen ausgegangen. Für die Befragten scheint damit klar: Der globale Zinssenkungszyklus ist zwar beendet, ein nahtloser Übergang in einen neuen globalen Zinserhöhungszyklus bleibt aber weiterhin unsicher.

 

Abbildung 2: Anzahl Antworten 50 (Quelle: Zürcher Kantonalbank)

Der Yen stürmt auf den zweiten Platz

Die Zinsdifferenz dürfte somit tendenziell zulasten des Schweizer Franken zunehmen. Dennoch stufen 60% der CIOs den Schweizer Franken weiterhin als die attraktivste Währung ein (siehe Abbildung 3). Der grosse Aufsteiger im Vergleich zur letzten Umfrage ist der japanische Yen, der nun von 21% der Umfrageteilnehmenden als attraktivste Währung eingestuft wird. Dies dürfte mit seiner sehr günstigen Bewertung und den erwarteten Zinserhöhungen zusammenhängen. Im Gegensatz dazu ist der Euro der grosse Absteiger, da er nur noch von 6% der CIOs als attraktiv eingestuft wird (vs. 18% im Dezember 2025), obwohl die EZB die Zinsen erhöht hat. Der Grund hierfür dürfte in der deutlich schwächeren Konjunktur liegen.

 

Abbildung 3: Anzahl Antworten 50 (Quelle: Zürcher Kantonalbank)

Geliebt: Gold bleibt Favorit

Die Umfrageergebnisse zeigen, dass sich an der Präferenz für Realwerte zulasten von Obligationen im Vergleich zu Ende 2025 kaum etwas verändert hat (siehe Abbildung 4). Dies gilt, obwohl die Obligationenrenditen im Ausland infolge des Irankriegs nochmals deutlich angestiegen sind und globale Aktien seit Jahresbeginn bereits rund 10 Prozent zugelegt haben.

Gold bleibt unangefochten die bevorzugte Anlageklasse, auch wenn die Übergewichtung weniger ausgeprägt ist als Ende 2025. Aktuell sind 57 Prozent der CIOs in Gold gegenüber ihrer eigenen strategischen Allokation übergewichtet und nur 6 Prozent untergewichtet. Das ergibt eine Netto-Positionierung von 51 Prozent gegenüber eindrücklichen 77 Prozent in der vorherigen Erhebung (siehe Abbildung 4). Trotz einer Kurskorrektur von 25 Prozent seit Januar erwarten fast 90 Prozent der Befragten, dass es in der zweiten Jahreshälfte zu keinem weiteren deutlichen Preisrückgang kommen wird. 

Auch geliebt: Schwellenländer und USA

Innerhalb der Anlageklasse «Aktien Global» präferieren die Umfrageteilnehmenden erneut Schwellenländer und die USA. Dies dürfte vor allem mit der hohen Gewichtung von Technologietiteln in diesen Indizes zusammenhängen. Die CIOs gehen somit von einer Fortsetzung der KI-getriebenen Kursrally aus.

Insgesamt scheint die Zuversicht der Befragten leicht nachzulassen, was sich in einer verstärkt neutralen Positionierung gegenüber ihrer eigenen strategischen Allokation in einigen Anlagekategorien niederschlägt. Auffällig ist der hohe Anteil neutraler Einschätzungen bei Schweizer Aktien. Der hiesige Aktienindex mit seinem hohen Gewicht in den defensiven Sektoren Gesundheit und Basiskonsumgüter scheint im aktuellen Umfeld weniger gefragt zu sein.

 

Abbildung 4: Anzahl Antworten 49 (Quelle: Zürcher Kantonalbank)

Gemieden: Staatsanleihen bleiben im Abseits

Die Kombination aus hoher Staatsverschuldung, steigenden Inflationsraten und dem anhaltenden Tiefzinsumfeld in der Schweiz hat im ersten Halbjahr erneut zu mageren Obligationenrenditen geführt. Die CIOs bleiben deshalb mit überwältigender Mehrheit bei CHF-Anleihen und bei globalen Staatsanleihen untergewichtet. Diese Werte sind praktisch unverändert zur ersten Umfrage im Dezember 2025. Für CHF-Obligationen dürfte sich daran auch bis zur nächsten Umfrage wenig ändern, zumal bloss ein CIO einen Anstieg der Renditen von Schweizer Staatsanleihen auf über 0.6 Prozent erwartet.

Auch gemieden: europäische Aktien

Innerhalb der Anlageklasse «Aktien Global» bleiben europäische Aktien wenig gefragt. Ausschlaggebend dafür ist insbesondere die schwächere Gewinnentwicklung der Unternehmen, die – nicht zuletzt aufgrund höherer Energiepreise und eines deutlich geringeren Anteils an Firmen entlang der KI-Wertschöpfungskette – nicht mit jener der US-Konzerne Schritt halten kann.

Zwischen KI-Euphorie und Korrekturängsten

Trotz ihrer Präferenz für Technologieaktien sehen die CIOs Enttäuschungen im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz als wahrscheinlichsten Auslöser einer Aktienmarktkorrektur im zweiten Halbjahr (siehe Abbildung 5). Die starke KI-Rally wird von den Umfrageteilnehmenden somit zwar als grosses Risiko eingestuft, gleichzeitig rechnen sie vorerst weiter mit steigenden Kursen. Interessant ist zudem, dass nur 4 Prozent der Befragten eine Rezession in den USA erwarten – ein Bild, das mit der Untergewichtung von Staatsanleihen konsistent ist. Eine deutliche Wachstumsabschwächung würde die grosse Mehrheit der CIOs daher auf dem falschen Fuss erwischen.

 

Abbildung 5: Anzahl Antworten 48 (Quelle: Zürcher Kantonalbank)

Fazit

Obwohl die Zuversicht gegenüber Ende 2025 leicht nachgelassen hat und die Positionierungen weniger ausgeprägt ausfallen, zeigen sich die Schweizer CIOs weiterhin optimistisch und setzen auf ein anhaltendes Momentum bei Technologieaktien und Gold. Ein wesentlicher Faktor dafür dürfte die Entspannung beim Ölpreis sein, weshalb auf kurze Sicht kein unmittelbarer Übergang von einem globalen Zinssenkungs- in einen neuen Zinserhöhungszyklus erwartet wird.

Über die Umfrage

Die Swisscanto CIO Survey wird halbjährlich vom Bereich Multi-Asset-Solutions des Asset Managements der Zürcher Kantonalbank erhoben. Die Umfrage bietet einen strukturierten und systematischen Einblick in die Markteinschätzungen von Schweizer Chief Investment Officers (CIOs) und basiert hauptsächlich auf einem Set von wiederkehrenden Fragen.

Die Umfrage wurde zwischen dem 16. und 23. Juni 2026 durchgeführt. Insgesamt wurden 140 CIOs angefragt, von denen 50 an der Befragung teilnahmen. Die Beobachtungsperiode der Umfrage bezieht sich auf einen Ausblick von sechs Monaten und deckt verschiedene Aspekte der Markteinschätzung ab.

Zu den teilnehmenden Institutionen zählen unter anderem: Aargauische Kantonalbank, Baloise Asset Management, Banque Cantonale du Jura, Banque Cantonale Neuchâteloise, Berner Kantonalbank, Basellandschaftliche KB, Colombo Wealth SA, Elite Asset Management, Eric Sturdza Asset Management, Forum Finance, Glarner Kantonalbank, Globalance Bank, Graubündner Kantonalbank, Group Mutuel Asset Management, Habib Bank AG Zurich, Liechtensteinische Landesbank LLB, Lienhardt & Partner, Luzerner Kantonalbank, Migros Bank, Mirabaud, Numan Wealth Partners, ODDO BHF Schweiz, Pictet Asset Management, Probus Pleion, Rahn+Bodmer, Raiffeisen, Schaffhauser Kantonalbank, Schroder & Co Bank AG, Schwyzer Kantonalbank, St. Galler Kantonalbank, Thurgauer Kantonalbank, Valiant Bank, VP Bank, Wyss Partner, Youplus Assurance Schweiz, Zuger Kantonalbank, Zürcher Kantonalbank und Zurich Invest AG.