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Wegen Inflations­sorgen – stehen die Zins­märkte vor einem Wende­punkt?

Der Konflikt in Nahost stellt auch die globale Zins­landschaft auf den Kopf. Thomas Kirchmair zeigt auf, wie sich Anleger­innen und Anleger auf einen möglichen Wende­punkt an den Zins­märkten vor­berei­ten kön­nen.

Thomas Kirchmair

Kommt es zur Wende an den Zinsmärkten?
Kommt es zur Wende an den Zinsmärkten? Die Erwartungen haben sich mittlerweile fundamental verändert (Bild: istockphoto.com).

Die wichtigsten Merk­punkte zur Inflation und zur mögli­chen Wende an den Zins­märkten: 

  1. Die wegen des Iran-Konflikts kletternden Energiepreise nähren Befürchtungen vor einer restriktiveren Geldpolitik.
  2. Für hochverschuldete Staaten wie die USA kommt dies zu einem ungünstigen Zeitpunkt.
  3. In diesem Szenario sehen wir unter anderem Chancen für kurz laufenden US-Anleihen oder europäische Obligationen.

Wie schnell sich die Zeiten ändern können: Noch vor wenigen Wochen war der Markt mehrheitlich davon ausgegangen, dass die grossen Notenbanken ihre Leitzinsen eher lockern oder wenigstens an Ort und Stelle belassen. So hatte die US-Notenbank Fed im Jahr 2025 bereits dreimal die Zinsen gesenkt; auch für 2026 preisten die Investorinnen und Investoren Zinslockerungen ein. Derweil schien sich die Inflationsrate in den USA langsam, aber stetig dem 2%-Ziel zu nähern. Ähnlich sah es bei der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bank of England aus.

Doch dann brach am 28. Februar der Iran-Konflikt aus – und stellte die globale Zinslandschaft in kürzester Zeit auf den Kopf.

Wendepunkt an den Zinsmärkten: Steigende Energiepreise entfachen Inflationssorgen

Seither hat der durch den Waffengang in Nahost ausgelöste steile Anstieg der Energiepreise die Inflationssorgen neu entfacht und die Markterwartungen fundamental verändert. Die Hoffnung auf Zinssenkungen wich der Sorge, dass die Zentralbanken gezwungen sein könnten, eine restriktivere Geldpolitik zu verfolgen. Dies, um die durch die Energiepreise angeheizte Inflation einzudämmen. Die Reaktion der Anlegerinnen und Anleger war eindeutig: Am Obligationenmarkt setzt ein sogenanntes Bear Flattening ein. Das bedeutet, dass die Renditen über alle Laufzeiten hinweg steigen – besonders jedoch am kurzen Ende der Zinskurve.

Britische Staatsanleihen – die Gilts – waren von dieser Entwicklung am stärksten betroffen. Aber auch in den USA und der Eurozone stiegen die Refinan­zierungs­kosten deutlich an. Für die Vereinigten Staaten kommt diese Entwicklung zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Am 17. März 2026 überschritt nämlich die Bruttoverschuldung des Landes erstmals die Market von USD 39 Billionen. Die steigenden Zinsen erhöhen den Druck auf die ohnehin angespannte Haushaltslage, da ein wachsender Anteil des Budgets für den Schuldendienst aufgewendet werden muss. Die Diskussion über den Status von US-Staatsanleihen, von «Treasuries», als sicherer Hafen flammt in diesem Zusammenhang immer wieder auf.

Zinsmärkte in Bewegung: Verschuldung der USA differenziert betrachten

Die aktuelle Situation erfordert unserer Meinung nach jedoch eine differenzierte Betrachtung. Während die hohe Verschuldung der USA ein strukturelles Problem darstellt, sollte sie bei einer zyklischen Betrachtung nicht überbewertet werden. Für die kurzfristigen Zinsentscheidungen des Fed-Offenmarkt-Ausschusses (FOMC) spielt sie keine wesentliche Rolle. Strukturell könnte jedoch eine höhere Risikoprämie für US-Anleihen erforderlich werden, was sich langfristig vor allem am langen Ende der Zinskurve niederschlagen dürfte.

Im Gegensatz zur EZB, die sich strikt auf die Inflationsbekämpfung konzentrieren muss, gehorcht die Fed einem dualen Mandat: Sie hat auch den Arbeitsmarkt zu berücksichtigen. Und dieser zeigt zwar erste Anzeichen einer Abkühlung, bleibt aber insgesamt resilient. Dadurch erhält die Fed mehr Spielraum, um ihre Geldpolitik flexibel zu gestalten. Die EZB hingegen ist aufgrund ihres Mandats gezwungen, relativ mechanisch als Zins-Falke zu reagieren und die Leitsätze anzuheben.

Was die Marktteilnehmenden von der Geldpolitik der wichtigsten Zentralbanken bis Ende 2026 erwarten (Zinsschritte in %)

Quelle: Bloomberg, per 6. Mai 2026; rechtliche Hinweise zur Grafik siehe unten.

Wendepunkte im Vergleich: Was anders ist an den Zinsmärkten als im Jahr 2022

Die aktuelle Situation unterscheidet sich zudem deutlich von der Lage im Jahr 2022, zu Zeiten der Coronakrise. Lieferketten sind heute widerstandsfähiger, und die Zentralbanken starten von einem bereits restriktiveren Zinsniveau. Während 2022 grosse Zinsschritte notwendig waren, um überhaupt auf eine neutrale Geldpolitik zu kommen, befinden wir uns 2026 bereits in einem leicht restriktiven Umfeld. Auch die finanziellen Rahmenbedingungen, die «Financial Conditions», erscheinen uns deutlich straffer als damals.

Das aktuelle Einpreisen von Zinsanhebungen deutet unseres Erachtens darauf hin, dass der Markt ein neues Gleichgewicht erreicht haben könnte – ein Eindruck, der durch die stabilen langfristigen Inflationsrisikoprämien untermauert wird, trotz der jüngsten Energiepreis-Steigerungen.

Wo an den Zinsmärkten Vorsicht geboten ist – und welche Chancen sich bieten

Wie können Anlegerinnen und Anleger auf ein solches Umfeld reagieren? Kurzlaufende USD-Anleihen bieten aus unserer Sicht nach wie vor interessante Anlagechancen. Treasuries gehören derweil zu den liquidesten Anlagen im Anleihen-Universum – und diese Liquidität kann gerade in einem volatilen Umfeld von hohem Wert sein. Sie erlaubt es, bei sich bietenden Gelegenheiten schnell zu agieren. Zudem bewerten wir das aktuelle Zinsniveau – insbesondere am kurzen Ende der Kurve – als attraktiv. Wir sehen hier Potenzial, von den gestiegenen laufenden Renditen zu profitieren.

Auch europäische Anleihen dürften ihre Rendite-Peaks erreichen. Dies, obwohl die EZB aufgrund der verzögerten Wirkung der Energiekrise auf die Inflationszahlen noch länger eine vorsichtige Haltung einnehmen wird. Bei Peripherieanleihen sehen wir wieder etwas mehr Wert, würden jedoch in EUR nahe der Benchmark-Duration bleiben. Zusätzlich haben wir kleinere Positionen in CHF und CAD aufgebaut, die ein niedrigeres Beta repräsentieren. In Europa reduzieren wir hingegen die Positionen in inflationsgeschützten Anleihen, sogenannten Linker, langsam ab. Dies, während wir in den USA länger laufende Linker weiter aufstocken.

Sollte die Fed in diesem Umfeld den Arbeitsmarkt stärker in den Fokus rücken, könnten auch die langfristigen Inflationserwartungen in den USA steigen. Dabei ist wichtig zu beachten, dass Linker die Inflationserwartungen handeln und nicht die aktuelle Inflation – ein Aspekt, der die Fed weniger restriktiv erscheinen lässt als die EZB.

Zinsmärkte von Schwellenländern ins Auge fassen

Eine Beimischung von Schwellenländer-Obligationen (EMD) kann sich für risikofreudigere Anlegerinnen und Anleger ebenfalls lohnen. Die in der Regel höheren Realrenditen und stabilen Währungen dürften gegenüber den entwickelten Märkten «outperformen». Wir haben etwa ungarische sowie mexikanische Anleihen schon vor dem Kriegsausbruch beigemischt.

Ein gewisser Vorbehalt bleibt jedoch bestehen: Unsere Strategie basiert auf der Annahme, dass sich die Rohstoffmärkte in den kommenden Wochen stabilisieren und eine «neue Normalität» erreichen. Sollte der Konflikt jedoch erneut eskalieren und die Rohstoffpreise auch Zweitrunden-Effekte auslösen, werden wir die Situation zeitnah neu bewerten.

Rechtliche Hinweise

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