Zum Hauptinhalt springen

Rendite-Killer: Warum Panik an der Börse so teuer ist

3 Minuten
3 Minuten

Heftige Kursschwankungen lösen schnell Panik aus – doch wer in turbulenten Phasen unüberlegt verkauft, schadet seiner Rendite oft doppelt. Diversifikation hilft, ruhig zu bleiben – auch in stürmischen Zeiten.

Dr. René Nicolodi

Portrait von Dr. René Nicolodi

Heftige Kursschwankungen gehören an der Börse dazu – auch wenn sie im ersten Moment verunsichern. Viele Privatanlegerinnen und Privatanleger neigen dann dazu, Aktien in Panik zu verkaufen und an die Seitenlinie zu wechseln. Oft kommen noch vermeintliche Börsenweisheiten dazu. Im Kern geht es immer um dasselbe Ziel: den perfekten Ein- und Ausstiegszeitpunkt zu treffen.

Ein gutes Beispiel ist die bekannte Börsenregel «Sell in May and go away, but remember to come back in September». Wie bei vielen Börsen­sprüchen steckt ein Körnchen Wahrheit darin: Statistisch fällt das dritte Quartal bei globalen Aktien häufig eher schwächer aus, während das vierte Quartal oft zu den stärksten Phasen gehört. In der praktischen Umsetzung zeigt sich jedoch, wie anspruchsvoll Markt­timing wirklich ist. Wer stattdessen regelmässig und diversifiziert investiert und langfristig denkt, senkt das Risiko bei Börsen­schwankungen in Panik zu geraten. Hinzu kommt: Der Zusatz «come back in September» erinnert daran, wie gefährlich es sein kann, zu lange an der Seitenlinie zu stehen und Gefahr läuft, die besten Börsentage zu verpassen.

Klare Strategie statt Panik

Während professionelle Investorinnen und Investoren in einem gewissen Rahmen taktisch agieren können, ist es für die meisten Privatanlegenden sinnvoller, eine saubere und gut überlegte auf Diversifikation ausgerichtete Anlagestrategie zu definieren – und konsequent daran festzuhalten.

Besonders kritisch wird es, wenn Emotionen ins Spiel kommen. Emotionen und Panik wirken bei grossen Schwankungen wie ein Rendite-Killer. Wer in turbulenten Phasen hektisch verkauft, realisiert häufig Verluste zu einem ungünstigen Zeitpunkt – und verpasst anschliessend die Erholung. So leidet die eigene Rendite gleich doppelt. Entscheidend ist deshalb, das persönliche Risikoniveau im Voraus zu bestimmen und das Portfolio so zu diversifizieren, dass Schwankungen aushaltbar bleiben, ohne dass jede Woche ein Verkauf zur Debatte steht.

Langfristig investieren statt nervös reagieren

Langfristig investiert zu bleiben, zählt zu den zentralen Erfolgsfaktoren. Über die vergangenen 50 Jahre erzielten globale Aktien im Durchschnitt rund 9,5% Rendite pro Jahr, amerikanische Aktien sogar etwa 12%. Diese Entwicklung verlief keineswegs linear – es gab zahlreiche Rückschläge und Erholungsphasen. Gerade das zeigt: Wer erfolgreich sein will, muss langfristig denken, bei Schwankungen nicht in Panik ausbrechen und den Zinseszinseffekt für sich arbeiten lassen.

Wie lässt sich ganz konkret vermeiden, dass kurzfristige Ereignisse verunsichern? Zuerst werden Anlagestrategie und persönliches Risikoniveau festgelegt. Danach hilft Automatisierung. Regelmässige Einzahlungen erleichtern es, dranzubleiben und nicht bei jeder Schlagzeile ins Grübeln zu geraten. Sich mit Börse und Wirtschaft zu beschäftigen ist sinnvoll, aber ein permanenter Blick auf Kurse bringt zu viele Emotionen ins Spiel.

Mit Diversifikation Panik vorbeugen und Rendite stärken

Neben Zeit und Disziplin spielt die Qualität im Depot eine zentrale Rolle. Für viele Privatanlegende ist Diversifikation der Schlüssel und eine bewährte Prävention gegen Panik. Wer über verschiedene Einzeltitel, Branchen und Regionen streut, reduziert das Risiko, dass einzelne Verlierer-Titel das Gesamtvermögen stark beeinträchtigen. Ergänzend können langfristige Wachstumsthemen beigemischt werden – zum Beispiel Energiewende oder Wasserknappheit. Solche Schwerpunkte können langfristig als Renditebeschleuniger wirken. Wichtig bleibt aber auch hier: breit streuen und langfristig investiert bleiben.

Das Fazit ist klar: Nicht der schnellste Finger am Verkaufsknopf entscheidet über den Anlageerfolg, sondern eine klare Strategie, ruhige Nerven und genügend Zeit im Markt. Panik ist ein Rendite-Killer. Wer sich nicht von kurzfristigen Börsenweisheiten leiten lässt, sondern konsequent investiert bleibt, erhöht die Chancen auf einen nachhaltigen Anlageerfolg.

Weitere Informationen gibt es in der Sendung «Anlegen & Vorsorgen».

Kategorien

Finanzwissen