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Schweizer Nebenwerte: «16% Gewinnwachstum für 2026 erwartet»

Schweizer Small & Mid Caps könnten hiesige Grossunternehmen dieses Jahr beim Gewinnwachstum deutlich hinter sich lassen – das erwartet der Markt. Doch Felix Morger mahnt: Es kommt darauf an, auf welche Sektoren Anlegerinnen und Anleger setzen.

Schweizer Nebenwerte: Markt sieht noch einige Luft nach oben
Nebenwerte mit Potenzial nach oben: Der Markt erwartet für mittelgrossen Schweizer Aktien für das laufende Jahr ein Gewinnwachstum von 16% (Bild: Getty Images).

Felix, die geopolitische Lage ist besorgniserregend, doch die Aktienmärkte streben immer weiter nach oben. Wie erklärst du dir das?

Die Konstellation ist: Der Iran-Krieg und die Verknappung des Ölangebots lassen die Inflationserwartungen ansteigen. Gleichzeitig aber wird erwartet, dass die Sperrung der Strasse von Hormus temporär ist. Mit dieser Perspektive gehen die Märkte aktuell davon aus, dass die Notenbanken die Leitzinsen in der Tendenz stabil halten werden. Nominal gleichbleibende Leitzinsen und eine höhere Inflation führen tendenziell dazu, dass die realen Zinsen abnehmen. Dieser Effekt leitet die Investorengelder eher in Sachwerte und damit in den Aktienmarkt, was die Kurse stützt.

Überall gleich?

Nein, es gibt Sektoren, die gut laufen, andere nicht. Teile der Wirtschaft werden durch die steigende Nachfrage nach Künstlicher Intelligenz (KI) sowie den Aufbau der Infrastruktur für Rechenleistung unterstützt. Das ist insbesondere in den USA ein gewichtiger Faktor, aber auch für Schweizer Unternehmen.

Welche Schweizer Unternehmen könnten davon profitieren?

Unser Universum ist der SPI Extra Index, also das Segment der kleineren und mittelgrossen Schweizer Unternehmen. 12% von diesen Gesellschaften sind grundsätzlich KI-Gewinner. Sie lassen sich in drei Typen unterscheiden: Zulieferer in die Halbleiter­industrie wie VAT, Comet und Inficon. Vom Thema Elektrifizierung profitieren R&S, Accelleron und bei den Grossunternehmen ABB. Der dritte Bereich ist die Ausrüstung der Datencenter: Belimo liefert Kühlungssysteme, Huber+Suhner bietet «Optical Circuit Switches», also Schalter die Lichtwellen umlenken, ohne sie in einem Zwischenschritt in elektrische Signale umwandeln zu müssen. An Produkten, die ebenfalls den Datenfluss in Rechenzentren effizienter machen, arbeitet neu auch AMS Osram.

Insgesamt hat das mittlere Börsensegment in den vergangenen Jahren eher gelitten. Wie sieht es im Blick nach vorn aus?

Nach dem Covid-Boom haben die mittelgrossen Schweizer Aktien konsolidiert. Nun erwartet der Markt für das laufende Jahr im Segment jedoch ein Gewinnwachstum von 16%. Für den Schweizer Gesamtmarkt sehen die Analysten ein Plus von 9%. Das sollte den Aktien mittelgrosser Unternehmen Schub verleihen, zumal deren Bewertung im Zehnjahresschnitt liegt, sie also nicht teuer sind.

Skeptisch bin ich in Bezug auf den Konsum. Stand heute ist der Konsument zwar noch ausgabefreudig. Doch aufgrund der Inflation steigen die Preise, die Reallöhne allerdings nicht.

Dr. Felix Morger, Senior Portfolio Manager für Schweizer Small & Mid Caps

Was drückte die Gewinne der kleineren Unternehmen in den vergangenen Jahren? Und woher soll nun der Aufschwung kommen?

Nach Covid und den Unterstützungsmassnahmen während der Pandemie lief die Wirtschaft gut und die Bewertungen sprangen in die Höhe. Gleichzeitig bauten Firmen als Gegenreaktion zur damals schwierigen Beschaffungssituation grosszügig Lager auf. Mittlerweile sind die zuvor übervollen Lager der Kunden jedoch abgebaut. Es besteht für die Hersteller wieder ein direkter Zusammenhang zur effektiven Nachfrage. Das spricht unserer Meinung nach für ein Ende der Normalisierungsphase und somit für neues Wachstum.

Trotz des Zickzackkurses des US-Präsidenten Donald Trump?

Auch Trumps Zolldrohungen haben die kleineren Exportunternehmen im vergangenen Jahr meist stärker getroffen als die geografisch stärker diversifizierten Grossunternehmen. Das zwang sie, effizienzsteigernde Massnahmen einzuleiten, die nun dieses Jahr Wirkung entfalten dürften. Die Voraussetzungen sind geschaffen, dass 2026 für das mittlere Segment ein erfolgreiches Jahr werden könnte.

Gilt das für alle Unternehmen?

Die Verunsicherung führt dazu, dass Investitionsentscheide tendenziell aufgeschoben werden. Darunter leiden Industrieunternehmen, insbesondere Maschinenhersteller, die kapitalintensive Güter bieten, beispielsweise Komax mit ihren Verkabelungs­maschinen oder Bystronic, die Produkte zur Blechverarbeitung herstellt.

Wo siehst du trotz der breiten Resilienz der Börsen weitere Risiken?

Skeptisch bin ich in Bezug auf den Konsum. Stand heute ist der Konsument zwar noch ausgabefreudig. Doch aufgrund der Inflation steigen die Preise, die Reallöhne allerdings nicht, dies im Gegensatz zur Pandemiezeit. Unternehmen wie Lindt & Sprüngli oder Nestlé könnten das zu spüren bekommen. Ebenso Sonova oder Straumann, deren Produkte mit Selbstkosten verbunden sind. Investoren sollten unserer Meinung nach den Fokus auf Unternehmen richten, die entweder losgelöst von Handels- und geopolitischen Unsicherheiten agieren können oder über spezifische Treiber verfügen.

Kannst du Beispiele nennen?

Der Gesundheitsbereich gehört dazu, obwohl die Zolldiskussion auch hier reinspielt. Positiv hervorheben kann man Sandoz, die mit ihren Generika und Biosimilars preiswerte Medikamente liefert, was kongruent erscheint mit den Zielen der Politik von US-Präsident Trump.

Du zählst die Schweizer Halbleiterzulieferer zu den KI-Gewinnern: Unter den grössten Positionen der Swisscanto Strategie zu Swiss Small & Mid Caps findet sich VAT, allerdings mit einem Untergewicht gegenüber dem Benchmark. Wie wird das Thema gespielt?

Wir gehen bei ähnlichen Firmen oft Pair-Trades ein, um das Sektor-Exposure zu kontrollieren. Wir haben also ein Untergewicht, wo wir weniger Potenzial sehen, und bauen dort Übergewichte auf, wo wir die grössten Chancen orten. VAT hatte zu Beginn des Aufschwungs am meisten an Wert zugelegt, als sich abzuzeichnen begann, dass der Kapazitätsausbau für die Chip-Produktion wieder anläuft: Für den Bau neuer Chip-Fabriken braucht es in der Regel die Vakuumventile von VAT. Da waren wir dabei, inzwischen sehen wir aber mehr Potenzial in Inficon und Comet und sind dort übergewichtet.

Beim Thema Elektrifizierung liegt das Übergewicht der Strategie bei R&S. Wieso?

Die Transformatoren von R&S braucht es für die Elektrifizierung im Zuge der Energiewende. Gleichzeitig handelt es sich um altbewährte Produkte. Die Markterwartungen stiegen nach der Kotierung aber zu hoch, und die Börsenentwicklung war zu rasant. Im Sommer musste der neue CEO Eduardo Terzi eine Gewinnwarnung absetzen, worauf der Kurs einbrach. Inzwischen ist ein Boden gefunden, die Bewertung wieder moderat und das Management arbeitet an Effizienzsteigerungen. Auf dem jetzigen Kursniveau steigt die Zuversicht, dass höhere Notierungen wieder möglich werden. Denn die operativen Treiber sind intakt, gerade auch mit Blick auf den Bau neuer Datencenter, die alle eine verlässliche Stromversorgung brauchen.

Und welches ist der neuste Zukauf im Portfolio?

Wir haben jüngst ein kleines Übergewicht in Sensirion aufgebaut. Bei der Jahrespräsentation hat das Management neue Produkttypen vorgestellt, die nicht nur den Durchfluss von Gasen messen, sondern auch deren Zusammenstellung analysieren. Sie sollen in drei Sektoren zur Anwendung gelangen: Gesundheit, Automobil und der Industrie. Das könnte eine neue Wachstumsphase einläuten. Allerdings ist noch unklar, wie schnell die Nachfrage nach diesen Produkten steigt. Diese Entwicklung beobachten wir nun. Günstig bewertet sind die Aktien zwar derzeit nicht. Der operative Hebel des Unternehmens ist jedoch so gross, dass die Bewertung rasant sinkt und das Kurspotenzial zulegt, falls das von uns erwartete Wachstum kommt.

Dieser Beitrag ist zuerst auf dem Schweizer Börsenportal «The Market» erschienen und wird hier mit freundlicher Genehmigung und gekürzt verwendet. Das Interview in voller Länge findet sich hier.

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