Schweizer Venture-Capital-Markt im Aufwind

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Schweizer Venture-Capital-Markt im Aufwind
Von Claudia Petersen publiziert am 13. Juni 2019 in der Kategorie Private Markets
Der Schweizer Venture-Capital-Markt boomt und hat beim Investitionsvolumen 2018 erstmals die Milliardengrenze überschritten. Von dieser Entwicklung profitieren nebst dem gesamten Startup-Ökosystem auch die Schweizer Pensionskassen, die zunehmendes Interesse an der renditestarken Anlageklasse Private Equity zeigen.

Wäre der Schweizer Venture-Capital-Markt ein Jungunternehmen, so dürfte sich dieses darüber freuen, die riskante Start-up-Phase erfolgreich überstanden und sich zu einem Scale-up-Player mit weiterem Wachstumspotenzial entwickelt zu haben. Im Rekordjahr 2018 wurden gemäss dem Swiss Venture Capital Report 2019 in 230 Finanzierungsrunden rund 1'236 Millionen Schweizer Franken in Schweizer Start-ups investiert. Das entspricht einer Wachstumsrate von über 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (siehe Grafik).

Die treibende Kraft hinter diesem starken Wachstum waren vor allem Investitionen in den Bereichen Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) und Fintech, gefolgt von Biotech und Medtech. Dies zeigt, dass Unternehmen vor allem in innovativen, zukunftsorientierten Sektoren gegründet werden, was volkswirtschaftlich für die Zukunft der Schweiz und ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit von erheblicher Bedeutung ist.

Von "Start-Up" zu "Scale-Up"

Zu beobachten ist auch, dass grosse Finanzierungsrunden mit über CHF 10 Millionen deutlich häufiger werden. Während es lange nur einige wenige Finanzierungsrunden in dieser Grössenordnung gab, waren es 2018 schon mehr als 35 mit einem Gesamtkapital von rund CHF 900 Millionen. Diese Entwicklung ist sehr wichtig für das Gründungs-Ökosystem. Während in der Vergangenheit mehrheitlich Seed- und Early-Stage-Unternehmen finanziert wurden, und Unternehmen in der Wachstumsphase oft im gefürchteten "Tal des Todes" eingingen, wird jetzt auch vermehrt sogenanntes Wachstumskapital zur Verfügung gestellt. Dies ermöglicht den Jungfirmen, ihr Geschäftsmodell zu skalieren und die - auch internationale - Marktdurchdringung voranzutreiben. Wir sehen dies als Beginn einer neuen Entwicklungsphase des Schweizer Venture-Capital-Marktes mit interessanten Opportunitäten vor allem im Late Stage Venture- und Growth-Bereich. Diese These wird durch den Entwicklungsverlauf des israelischen Venture-Capital-Marktes untermauert.

Israel und die Schweiz weisen ähnliche Charakteristika in Bezug auf Bevölkerungsgrösse, weltweit führende Forschungs- und Universitäts-Zentren, hohe Innovationsrate und Technologie-Orientierung auf. Der Unterschied jedoch ist, dass der israelische Venture Capital-Markt der Schweiz circa acht Jahre voraus ist und bereits 2010 ein Investitionsvolumen von CHF 1.3 Milliarden überschritten hat. Seitdem hat sich der israelische Venture-Capital-Markt stetig weiterentwickelt und 2018 ein Rekordvolumen von über CHF 6.5 Milliarden erreicht (Quelle: Israeli Venture Capital Research Center, IVC). Bemerkenswert ist dabei, dass es einen klaren "Scale Up"-Effekt gab. So wurde vermehrt in "Growth Stage" respektive sogenannte Wachstumsunternehmen investiert. Nehmen wir Israel als Vorreiter für den Schweizer Venture-Capital-Markt und nehmen eine ähnliche Wachstumsrate von 22% p.a. an, sollte der Schweizer Venture-Capital-Markt bis zum Jahr 2015 ein jährliches Investitionsvolumen von CHF 5 Milliarden erreichen (Schätzung investiere.ch; Swisscanto Invest).

Starkes Interesse institutioneller Investoren

Institutionelle Investoren in der Schweiz sind zunehmend bereit, Risikokapital bereitzustellen, sofern geeignete Anlagegefässe verfügbar sind. Darin spiegelt sich auch das Interesse, einen Beitrag zur Förderung innovativer, stark wachsender Unternehmen und des hiesigen Standortes zu leisten. Die Entscheidung des Bundesrates, den Pensionskassen den Zugang zu dieser Anlageklasse regulatorisch zu vereinfachen, verleiht der Thematik zusätzliche Aktualität. Derzeit wird geprüft, ob die bundesrätliche Verordnung zu den Anlagerichtlinien der beruflichen Vorsorge (BBV2) um eine eigene Kategorie "Schweizer Risikokapital" ergänzt werden kann. Sicherlich werden auch in Zukunft nicht alle 1'640 Schweizer Vorsorgeeinrichtungen in alternative Anlagen investieren. Aber fast jede zweite Kasse befasst sich bereits mit der Thematik und überlegt, ihre Anlagerichtlinien in diese Richtung anzupassen.

Neuer Wachstumspfad

Wir gehen von einem weiterhin starken Wachstum des schweizerischen Venture-Capital-Marktes aus und sind der Ansicht, dass es nicht zu einem "Kapitalangebotsüberhang" durch eine zunehmende Konkurrenz der Investoren kommen wird. Im Gegenteil: Das derzeit aufgenommene Kapital wird den Schweizer Venture-Capital-Markt auf einen neuen Wachstumspfad bringen. Es dürfte vermehrt in reifere Unternehmen in den Phasen "Late-Stage-Venture" und "Growth" investiert werden, die bislang kaum Zugang zu Kapital hatten. Eine steigende Zahl etablierter Venture-Capital-Player bringt zudem mehr Erfahrung und Professionalität in das Ökosystem, was sich positiv auf die Entwicklung der Venture-Capital-Unternehmen und deren Rendite auswirken sollte.

In Schweizer Start-ups investiertes Kapital, in Mio. CHF

 

 

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