Nachhaltige Unternehmensführung reduziert Prozessrisiken

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Nachhaltige Unternehmensführung reduziert Prozessrisiken
Von Daniel Fauser publiziert am 15. April 2021 in der Kategorie Nachhaltigkeit
Gerichtsverfahren gegen Unternehmen enden oft mit milliardenhohen Schadensersatz- und Prozesskosten sowie hohem Reputationsschaden. Eine neue Studie zeigt auf, dass diese Risiken wesentlich abgemildert werden können, wenn Unternehmen eine gute Performance und wenige Kontroversen in den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG) aufweisen.

Unternehmen sind ein zentraler Bestandteil unseres Wirtschaftssystems und leisten mit ihrer Geschäftstätigkeit einen wichtigen Beitrag zur Wertschöpfung und gesellschaftlichen Entwicklung. Gleichzeitig sind dieselben Unternehmen aufgrund ihrer Geschäftstätigkeit immer wieder in kontroverse Vorkommnisse verwickelt, welche gravierende Folgen sowohl für die Gesellschaft als auch die Unternehmen selbst haben können.

Kostspielige Gerichtsverfahren

Die Geschichte spricht eine klare Sprache: Gerichtsverfahren und deren Kosten können den Unternehmenserfolg substanziell negativ beeinflussen (z.B. Schadensersatz, Bussen, Verfahrenskosten und Reputationsschäden) oder gar den Konkurs einer Unternehmung zur Folge haben. Die Beispiele für Auslöser von vergangenen Gerichtsverfahren sind zahlreich und reichen von Buchhaltungsbetrug, Korruptionsskandalen und ökologischen Katastrophen bis hin zu Menschenrechtsverletzungen. Investoren und die Öffentlichkeit werden von derartig negativen Entwicklungen, die ein unkalkulierbares und unerwünschtes Risiko darstellen, nicht selten überrascht.

ESG-Faktoren können Risiko reduzieren

In der neuen wissenschaftlichen Studie externer Link öffnet neue SeiteRisk Mitigation of Corporate Social Performance in US Class Action Lawsuits, jüngst erschienen im externer Link öffnet neue SeiteFinancial Analysts Journal des CFA Institute, habe ich zusammen mit externer Link öffnet neue SeiteSebastian Utz, Assistenzprofessor an der School of Finance der Universität St. Gallen (HSG) untersucht, ob sich die Verwicklung von Unternehmen in Kontroversen aus den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (sogenannte ESG-Kontroversen) signifikant auf die Wahrscheinlichkeit von zukünftigen Gerichtsverfahren auswirkt. Ausserdem beantworten wir die Frage, ob sich die ESG-Performance von Unternehmen positiv auf den Marktwert auswirkt und diesen schützt, wenn es zu einem Gerichtsverfahren kommt.

Die akademische Forschung der letzten Jahre hat gezeigt, dass sich die Berücksichtigung von ESG-Faktoren risikomindernd auf das operative Geschäft auswirken und einen versicherungsähnlichen Effekt im Falle von Unternehmenskrisen haben kann. So hat zum Beispiel eine externer Link öffnet neue SeiteStudie im The Journal of Finance gezeigt, dass Unternehmen, die für ihr positives Abschneiden bei ESG-Faktoren bekannt waren, weniger unter den Folgen der Weltfinanzkrise 2007/08 gelitten haben.

Positiver Effekt von ESG-Faktoren auf Gerichtsverfahren

Unsere Studie zeigt, dass die Berücksichtigung von ESG-Faktoren das Risiko für Gerichtsverfahren signifikant senken und den Marktwert von Unternehmen im Zuge von Gerichtsverfahren schützen kann. Die untersuchte Stichprobe enthält ca. 1'800 US-amerikanische Unternehmen aus 27 Industrien, für welche sogenannte ESG-Kontroversen-Scores und ESG-Performance-Scores sowie Finanz- und Marktdaten gesammelt wurden.

Die Ergebnisse der Studie ergaben, dass die Erhöhung des ESG-Kontroversen-Scores einer durchschnittlichen Unternehmung um eine Standardabweichung das Risiko für Gerichtsverfahren deutlich reduziert – nämlich um ca. 23 Prozent. Ausserdem liefern unsere Ergebnisse Evidenz dafür, dass Unternehmen mit hohem ESG-Performance-Score eine nur etwa halb so hohe negative abnormale Rendite zum Zeitpunkt der Einreichung einer Klage beim Gericht erzielen, im Gegensatz zu Unternehmen mit nur mittelmässiger oder schlechter ESG-Performance (siehe Graphik). Weitere Tests in unserer Studie, in denen wir unter anderem auch für anderen Faktoren als die ESG-Performance kontrollieren, bestätigen dieses Ergebnis.

Der Marktwert von Unternehmen mit hoher ESG-Performance erholt sich ausserdem wieder deutlich schneller nach der Einreichung einer Klage. Schlussendlich kann die Berücksichtigung von ESG-Faktoren bei Unternehmen also das Downside-Risiko für Investoren senken und einen gewissen Schutz im Sinne eines versicherungsähnlichen Effekts bieten.

Starke ESG-Performance schützt Marktwert

Signifikanter Beitrag zur Alpha-Generierung

Die Studie implementierte die Ergebnisse auf Portfolioebene in insgesamt acht Portfolios und testet diese auf Alpha-Generierung. Aus Gründen der Datenverfügbarkeit wurden die Portfolios für den Zeitraum 2014 bis 2017 getestet. Portfolios aus Firmen mit tiefem Risiko für Gerichtsverfahren erzielten ein positives monatliches Alpha von bis zu 1 Prozent. Portfolios aus Firmen mit hohem Risiko für Gerichtsverfahren bei gleichzeitig hohem ESG-Performance-Score generierten ebenfalls positive monatliche Alphas von bis zu 0.5 Prozent. Im Gegensatz dazu erzielten Portfolios aus Firmen mit hohem Risiko für Gerichtsverfahren bei gleichzeitig tiefem ESG-Performance-Score ein negatives monatliches Alpha von über 1 Prozent. Die genannten Alphas waren statistisch signifikant.

Hohe ESG-Performance zahlt sich für Investoren aus

Die umfassende ESG-Integration im Rahmen unseres Swisscanto Anlageprozesses trägt diesen Ergebnissen in vielerlei Hinsicht Rechnung. Erstens werden Kontroversen von Unternehmen in den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung bei den aktiven Anlageentscheidungen mittels ESG-integrierter Fundamentalanalyse und entsprechenden ESG-Integrationstools systematisch berücksichtigt. Zweitens spielt die ESG-Performance, zum Beispiel durch den Fokus auf sogenannte ESG Leaders und den Ausschluss von sogenannten ESG-Laggards, eine zentrale Rolle im aktiv-fundamentalen Anlageprozess. Mit den erheblichen Anstrengungen im Engagement streben wir ausserdem verschiedentlich eine Verbesserung der Verhältnisse bei Unternehmen in den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG) an. 

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Nachhaltigkeit