Ausgeben, anlegen oder vererben: Motive für die steigenden Kapitalbezüge
Medieninfo vom 21. April 2026
- Eine Umfrage der Zürcher Kantonalbank schafft Klarheit zum Leistungsbezug in der 2. Säule:
Der Kapitalbezug ist bei den angehenden Rentnerinnen und Rentnern beliebter als die Rente - Fast die Hälfte der Kapitalbeziehenden nennt als Beweggrund die höhere finanzielle Flexibilität, ein Drittel möchte die Gelder lieber selbst anlegen und ebenso viele sehen Vorteile beim Vererben
- Die sinkenden Umwandlungssätze spielen bei der Entscheidung für das Kapital eine untergeordnete Rolle, zudem hat die Bevölkerung ein hohes Vertrauen in die Anlagekompetenz der Kassen
- Die Risiken des Kapitalbezugs sind der Mehrheit bekannt, doch nur eine Minderheit kennt zentrale Kennzahlen wie den Umwandlungssatz oder die Verzinsung des Alterskapitals
Die Schweizer Pensionskassenstudie von Swisscanto wird 2026 erstmals mit der Sichtweise der Versicherten in der beruflichen Vorsorge ergänzt: Im Auftrag der Zürcher Kantonalbank hat das Forschungsinstitut gfs.bern im März eine repräsentative Umfrage in der Schweizer Bevölkerung durchgeführt, um den Trend zum Kapitalbezug zu ergründen. Die Neurentenstatistik des Bundes weist schon seit Jahren in diese Richtung. Die vorliegende Befragung der Versicherten bestätigt, dass das Kapital heute die beliebtere Option ist: 36 Prozent der über 58-jährigen Versicherten haben einen vollständigen oder teilweisen Kapitalbezug vorgenommen. Dagegen haben sich 35 Prozent für die Rente entschieden und der Rest hat bisher noch keine Leistungen bezogen.
Individuelle Motive treiben Kapitalbezüge in die Höhe – nicht tiefe Renten oder Misstrauen
Bei der Entscheidung für das Kapital stehen für die Versicherten vier Überlegungen im Vordergrund: Das mit Abstand häufigste Motiv ist der Wunsch nach finanzieller Flexibilität (43 Prozent). Ebenfalls wichtig ist die Freiheit, selbst über die Anlage der eigenen Gelder zu entscheiden, sowie die Möglichkeit, das angesparte Kapital zu vererben (je 36 Prozent). Zudem beeinflussen auch steuerliche Aspekte die Entscheidung (25 Prozent).
In der Diskussion um den Trend zum Kapitalbezug werden häufig auch die sinkenden Umwandlungssätze – und die daraus resultierenden tieferen Rentenleistungen – als Treiber der Entwicklung angeführt. Die Schweizer Pensionskassenstudie von Swisscanto hat diese Hypothese jedoch bereits 2025 entkräftigt. So verzeichnen Pensionskassen mit tiefen Umwandlungsätzen nicht signifikant mehr Kapitalbezüge als solche mit höheren Sätzen.
Die Befragung der Versicherten bestätigt diesen Befund: Lediglich 17 Prozent entscheiden sich wegen des tiefen Umwandlungssatzes für das Kapital. Auch mangelndes Vertrauen der Versicherten ins Vorsorgesystem wird oft als mögliches Motiv genannt, doch wie die Befragung zeigt, ist dies keineswegs der Fall – nur 3 Prozent wählen aus Misstrauen gegenüber der Pensionskasse das Kapital.
«Die Umfrage zeugt von einem hohen Vertrauen in die berufliche Vorsorge. Zu Recht geniesst das Schweizer Vorsorgesystem sowohl national als auch international ein hohes Ansehen», sagt Heini Dändliker, Leiter Grossfirmen / Firmenkunden Markt Schweiz. «Der Kapitalbezug erfolgt primär aufgrund einer individuellen Beurteilung der eigenen Situation – und nicht aus Misstrauen gegenüber den Pensionskassen.»
Die Mehrheit kennt die Risiken, aber nur ein Drittel den eigenen Umwandlungssatz
Aufgrund der Risiken, die mit dem Kapitalbezug verbunden sind, wird der Trend weg vom Rentenbezug die öffentliche Diskussion stärker prägen. Die Umfrage zeigt jedoch, dass die grosse Mehrheit der Bevölkerung die Herausforderungen kennt: 82 Prozent sind sich bewusst, dass ein Kapitalbezug ein gewisses Finanzwissen erfordert und drei Viertel wissen um die Risiken der Kapitalmärkte und das Langlebigkeitsrisiko. Die Mehrheit der Kapitalbeziehenden trifft deshalb Vorkehrungen oder plant diese, etwa durch langfristige Finanzplanung oder professionelle Beratung.
Auch wenn die Stolpersteine beim Kapitalbezug den meisten bekannt sind, setzt sich nur eine Minderheit mit den Leistungsparametern in der beruflichen Vorsorge auseinander: Lediglich 32 Prozent kennen den Umwandlungssatz der eigenen Pensionskasse, obwohl dieser die Höhe der Altersrente bestimmt und deshalb in die Beantwortung der Frage «Rente oder Kapital?» einfliessen sollte. Das unterstreicht wiederum die geringe Bedeutung des Umwandlungssatzes als Motiv für den Kapitalbezug. Noch weniger kennen die aktuelle Verzinsung: Nur 31 Prozent wissen, wie ihr Altersguthaben im Jahr 2025 verzinst wurde.
«Bei der Abwägung zwischen Kapital und Rente sind die relevanten Kennzahlen der Bevölkerung offenbar nicht hinlänglich bekannt. Das verdeutlicht den hohen Aufklärungsbedarf», kommentiert Francesca Pitsch, die Studienleiterin der Pensionskassenstudie von Swisscanto. «Wären den Versicherten die wichtigsten Parameter bekannt, dürfte die Entscheidung in manchen Fällen anders ausfallen.»
Vermögensverwaltungskosten in der 2. Säule werden überschätzt
Auch mit Blick auf die Kosten der beruflichen Vorsorge zeigen sich blinde Flecken: 55 Prozent der Versicherten gehen davon aus, dass die Vermögensverwaltungskosten bei einer Pensionskasse pro Kopf höher sind als die Kosten einer eigenen Geldanlage. Laut Iwan Deplazes, Leiter Asset Management, sieht die Realität jedoch anders aus: «Pensionskassen profitieren von Skaleneffekten und standardisierten Prozessen. Damit können sie das Vorsorgevermögen in der Regel kostengünstiger bewirtschaften als Privatpersonen.»
Trotz dieser Fehleinschätzung ist das Vertrauen in die Anlagekompetenz der Pensionskassen gross. Nur 17 Prozent begründen den Kapitalbezug damit, dass sie selbst höhere Renditen erwirtschaften können als ihre Pensionskasse. Umgekehrt entscheiden sich viele für die Rente, gerade weil sie sich im Alter nicht mit Geldanlagen beschäftigen möchten (42 Prozent) oder über zu wenig Finanzwissen verfügen (20 Prozent).
Performance der Pensionskassen rückt in den Vordergrund
Die Anlagekompetenz der Pensionskassen gewinnt künftig an Bedeutung, wie Iwan Deplazes betont:
«Der Druck auf die Altersvorsorge wird weiter zunehmen. Die höhere Lebenserwartung ist eine grosse Errungenschaft, zugleich müssen Vorsorgegelder für einen längeren Zeitraum ausreichen. Deshalb ist es entscheidend, die Ertragskraft der Vorsorgevermögen mit risikoadjustierten Renditen soweit wie möglich zu optimieren.»
Wie die Umfrage zeigt, ist sich die Bevölkerung der Problematik der steigenden Lebenserwartung und des demografischen Wandels bewusst. Zwar fühlen sich viele persönlich gut abgesichert, gut die Hälfte rechnet jedoch mit einer Verschlechterung der Systemstabilität. Vor allem jüngere Menschen verstehen die Altersvorsorge offenbar eher als strukturelles Problem denn als individuell steuerbare Herausforderung.
Reformen haben es jedoch schwer und Massnahmen wie die Erhöhung des Rentenalters scheinen nicht mehrheitsfähig. Damit rückt der dritte Beitragszahler in den Vordergrund: «Die Renditen der Pensionskassen sind die wichtigste Ertragsquelle in der 2. Säule – sie generieren mehr Vermögen als die Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge», erklärt Iwan Deplazes. «Wie unsere Pensionskassenstudie regelmässig zeigt, gibt es bei der Performance Luft nach oben. Auch in der diesjährigen Befragung sind die Unterschiede enorm.»
Über die Umfrage
Die Umfrage wurde vom Forschungsinstitut gfs.bern im Auftrag der Zürcher Kantonalbank durchgeführt. Im Rahmen einer Mixed-Mode-Befragung (online und telefonisch) wurden zwischen dem 6. und 19. März 2026 insgesamt 1’014 Personen aus der Schweizer Wohnbevölkerung ab 18 Jahren befragt. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die Versicherten in der Schweiz und werden Anfang Juni im Rahmen der Schweizer Pensionskassenstudie 2026 publiziert. Die Befragung der Kassen wird in diesem Jahr erstmals mit der Sichtweise der Versicherten ergänzt, um Einsicht in die Entscheidungsprozesse der Bevölkerung beim Kapitalbezug zu erhalten.
Die Schweizer Pensionskassenstudie von Swisscanto
Die Resultate der diesjährigen Schweizer Pensionskassenstudie von Swisscanto werden am 2. Juni 2026 publiziert. Die Umfrage bei den Pensionskassen läuft jeweils bis Mitte April. Eine Einladung zum geplanten Medienanlass folgt zu einem späteren Zeitpunkt.
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Zürcher Kantonalbank
Die Zürcher Kantonalbank ist eine führende Universalbank im Wirtschaftsraum Zürich mit nationaler Verankerung und internationaler Ausstrahlung. Sie ist eine selbstständige öffentlich-rechtliche Anstalt des Kantons Zürich und wird von den Ratingagenturen Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch mit der Bestnote (AAA bzw. Aaa) eingestuft. Mit konzernweit über 6'600 Mitarbeitenden bietet die Zürcher Kantonalbank ihren Kundinnen und Kunden eine umfassende Produkt- und Dienstleistungspalette. Zu den Kerngeschäften der Bank zählen das Finanzierungsgeschäft, das Vermögensverwaltungsgeschäft, der Handel und der Kapitalmarkt sowie das Passiv-, Zahlungsverkehrs- und Kartengeschäft. Die Zürcher Kantonalbank bietet ihrer Kundschaft und ihren Vertriebspartnern umfassende Produkte und Dienstleistungen im Anlage- und Vorsorgebereich an.
Asset Management der Zürcher Kantonalbank
Das Asset Management der Zürcher Kantonalbank bewirtschaftet über CHF 315 Milliarden (Stand Ende 2025) und ist damit die zweitgrösste Vermögensverwalterin der Schweiz. Erfahrene Spezialistinnen und Spezialisten entwickeln unter der Produktmarke Swisscanto hochwertige Anlage- und Vorsorgelösungen für private Anlegerinnen und Anleger, Firmen und Institutionen. Die Asset-Management-Teams sind ausnahmslos am Finanzplatz Zürich tätig. Das Asset Management der Zürcher Kantonalbank hat sich zur Net Zero Asset Management Initiative bekannt und setzt bei den traditionellen, aktiv verwalteten Swisscanto Anlagefonds in Orientierung am Pariser Klimaabkommen standardmässig ein CO2-Reduktionsziel um. Swisscanto-Anlagefonds werden regelmässig national und international ausgezeichnet.
Rechtliche Hinweise
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