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Rohstoffe

Handelsabkommen zwischen den USA und China weiterhin in Reichweite.

Beilegung des Handelsstreits: Rohstoffe werden profitieren

Trotz den jüngsten Drohungen von US-Präsident Trump, die Zölle auf Einfuhren aus China zu erhöhen, scheint eine Einigung im Handelskonflikt zwischen den USA und China weiterhin in Reichweite. Ein umfassendes Handelsabkommen dürfte bedeutende Auswirkungen auf die globale Wirtschaft haben - und insbesondere bei Rohstoffen zu Preisbewegungen führen. 

Handelsabkommen wird für positives Sentiment sorgen

Ein Handelsabkommen zwischen China und den USA wird kein Wundermittel sein, das alle Probleme auf einen Schlag beseitigt. Es darf angezweifelt werden, ob Lösungen oder Annäherungen bei Themen wie dem Technologietransfer, Fragen des geistigen Eigentums und ausländischem Mehrheitsbesitz das Wirtschaftswachstum kurzfristig ankurbeln. Zudem kann die Zeitspanne von der Ratifizierung bis zur vollständigen Implementierung eines Abkommens sehr lang sein. Das wird beim Blick auf die letzten 20 amerikanischen Handelsabkommen deutlich: nach einer durchschnittlichen Verhandlungsdauer von eineinhalb Jahren benötigte die Umsetzung ab dem Zeitpunkt der Einigung dreieinhalb Jahre.

Als sicher gilt, dass ein Handelsabkommen das Risiko einer weiteren Verschärfung der Handelsstreitigkeiten reduzieren wird. Dies könnte bei vielen Entscheidungsträgern zu einem positiven Sentiment gefolgt von einer Aufstockung der Lager in verschiedenen Branchen führen.

Chinas Importe aus den USA werden steigen

Es wird erwartet, dass China sich im Rahmen eines Abkommens verpflichtet, jährlich zusätzliche Waren und Dienstleistungen im Umfang von USD 200 Mrd. (USD 125 Mrd. an Gütern und USD 75 Mrd. an Dienstleistungen) von den USA zu beziehen. Um die zusätzlichen Importe aus den USA zu kompensieren, dürfte China dann weniger in anderen Ländern einkaufen oder, alternativ, die eigene Produktion drosseln. Da es schwierig ist, die Lieferanten komplexer oder massgeschneiderter Güter kurzfristig zu wechseln, dürfte sich China bei der Verlagerung seines Aussenhandels auf standardisierte Güter wie Rohstoffe fokussieren. Was für die USA und Präsident Trump kurzfristig von Vorteil ist, geht zu Lasten von Rohstoffproduzenten in anderen Ländern.

Ende des Handelsstreits: Mehr Wachstum in China und den USA

Um die Auswirkungen eines Handelsabkommens auf verschiedene Rohstoffpreise genauer abzuschätzen, sollten wir uns auf diejenigen Rohstoffe konzentrieren, bei denen die Elastizität gegenüber den veränderten Wachstumserwartungen in den USA und China besonders hoch ist. Beispiel Rohöl: Die USA und China sind dieses Jahr zusammen für die Hälfte des Anstiegs der (weltweit erwarteten) Rohölnachfrage verantwortlich. Das hat - in Verbindung mit positiven Faktoren auf der Angebotsseite - zu einer starken Erholung des Rohöl-Preises geführt.

Erhöhte Nachfrage nach US-Agrargütern

Gemäss Wirtschaftsnachrichten sollen von den USD 125 Mrd. an Gütern, die China als Folge des Handelsabkommens jährlich zusätzlich in den USA kaufen dürfte, ungefähr USD 30 Mrd. amerikanische Agrarprodukte sein. Dies wäre eine beträchtliche Steigerung, denn in den letzten fünf Jahren haben die chinesischen Käufe von US-Agrargütern nur ein einziges Mal den Wert von USD 20 Mrd. erreicht.

Die zusätzliche Nachfrage aus China wird sicherlich preistreibend wirken. Sojabohnen aus den USA sind mit Abstand das Agrarprodukt mit dem grössten Exportvolumen nach China (siehe Abbildung unten). Die Auswirkungen des Handelsabkommens sind allerdings nicht zwangsläufig bei Sojabohnen am grössten. Bei Baumwolle, Mais und Magerschweinen könnten sie sogar grösser sein. Denn bei diesen Rohstoffen praktiziert China aktuell Importbeschränkungen.

Sollten sich die Chinesen im Rahmen des Handelsabkommens bereit erklären, diese Importbeschränkungen aufzuheben, würde das die Nachfrage nach diesen Rohstoffen deutlich steigern. Wir gehen davon aus, dass China seine Einfuhrkontingente - wenn nicht komplett beseitigen - dann zumindest erhöhen muss, um das mit den USA vereinbarte Ziel, den Kauf von US-Agrargütern im Umfang von USD 30 Mrd., zu erreichen.

US-Agrarexporte nach China (in USD Mrd.; Erwartungen 2019 mit Handelsabkommen) 

US-Agrarexporte nach China

Portrait Martin Gillholm

Über den Autor

Martin Gillholm ist seit 2015 als Portfolio Manager im Team Commodity Solutions von Swisscanto Invest by Zürcher Kantonalbank tätig und verwaltet Anlagefonds und institutionelle Mandate. Er verfügt über einen Master in Quantitative Finance der ETH Zürich und einen Master in Mathematik der Chalmers University of Technology in Schweden. Zudem ist er CFA Charterholder.


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