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Obligationen

Kreditvergabe findet immer öfter in der "Cloud" statt.

Benno Weber, Leiter Obligationenanlagen, Swisscanto Invest by Zürcher Kantonalbank

Vorhersage von Bill Gates, vor 20 Jahren

„Banking is necessary, but banks are not."

Benno Weber, Leiter Obligationenanlagen

Unentbehrlicher Brennstoff

Wer mehr besitzen will, als er sich aus dem Stand leisten kann, macht Schulden. Darüber mögen sich die Moralisten grämen, aber ohne den Anstieg der volkswirtschaftlichen Gesamtverschuldung käme der Wirtschaftsmotor ins Stottern. Die Finanzkrise von 2008 hat uns dies plastisch vor Augen geführt: Fremdkapital ist der unentbehrliche Brennstoff der liberalen Marktwirtschaft. Ohne Kredite keine Investitionen, kein Wachstum und kein Wohlstand.

Die Digitalisierung ändert an dieser Grundaussage nichts. Aber sie schafft ganz neue Möglichkeiten, wie liquide Mittel von den Sparern ihren Weg als Kredit zu den Schuldnern finden.

Der traditionelle Weg

Der traditionelle Weg führt über eine Bank. Die ursprünglichste Aufgabe einer Bank besteht darin, flüssige Mittel in Form von Einlagen entgegenzunehmen und sie dann wieder in Form von Darlehen in den Wirtschaftskreislauf einzuleiten. Dabei übernimmt die Bank drei wichtige Funktionen:

  1. Sie stellt die Fristentransformation von den liquiden Einlagen zu illiquiden Darlehen sicher.
  2. Sie bringt das Angebot von Fremdkapital mit der Nachfrage in Einklang.
  3. Sie stellt eine Beurteilung des Kreditrisikos und eine entsprechende risikogerechte Kreditrisikoprämie sicher.

Der alternative Weg

Der alternative Weg führt über Fixed-Income-Anlagen. Damit sind in erster Linie gewöhnliche Obligationen gemeint. Dabei handelt es sich um grosse Kredite, welche aufgrund ihrer Ausgestaltung als Wertpapier einfach platzier- und handelbar sind.

Der Obligationenmarkt nimmt dabei ähnliche Funktionen wahr wie eine Bank, namentlich die Verbindung von Angebot (Investoren) und Nachfrage (Kreditnehmern) und die Festlegung der Kreditrisikoprämie. Eine eigentliche Fristentransformation schafft der Obligationenmarkt nicht, gibt aber den Investoren die Möglichkeit, ihre Titel jederzeit zu veräussern.

Der dritte Weg - Schulden in der Wolke

Zahlreiche Fintech-Innovationen der vergangenen Jahre haben inzwischen einen dritten Weg der Kreditvermittlung geschaffen: die digitale Disintermediation. Dabei vergeben die Sparer ihre Kredite direkt an die Schuldner. Dies geschieht auf Online-Plattformen quasi in der Cloud/Wolke. Im Fokus stehen dabei heute noch eher kleinere Kredite. Das Volumen solcher Kredite ist in den letzten Jahren weltweit explodiert. Was noch fehlt: ein effekives, risiko-konformes Pricing und eine gewisse Sekundärmarktliquidität.

Was machen die Platzhirsche?

Die digitale Disintermediation entwickelt sich ausserordentlich dynamisch. Es ist möglich, dass diese Entwicklung die Anlageklasse Fixed Income über die nächsten 10–20 Jahre vollkommen auf den Kopf stellt. Auf absehbare Zeit wird sie jedoch noch ein Nebenschauplatz bleiben. Der Grund dafür ist, dass Banken und die Platzhirsche des Obligationenmarktes dem Eindringling das Feld nicht kampflos überlassen werden. In den beiden etablierten Kanälen der Kreditvergabe wird die Digitalisierung zu Effizienzgewinnen führen, welche den Kostenvorteil der reinen Online-Lösungen relativieren werden.


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