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Marktausblick

Unser Chefstratege analysiert quartalsweise die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte.

Geldpolitischer Entzug

"Egal, ob mit mehr oder etwas weniger Geldfluten – es wird schwierig, das Wachstumstempo zu halten. Nicht der geldpolitische Entzug, sondern die hohen Ansprüche machen den Markt anfällig."

Stefano Zoffoli, Chefstratege
Swisscanto Invest by Zürcher Kantonalbank
 

Es ist so weit: Der Patient wird auf Entzug gesetzt

Es waren extrem hoch dosierte, langfristige geldpolitische Gaben, die ihm zur Krisenbewältigung verabreicht wurden. Entsprechend gespannt wird die Reaktion auf den Entzug verfolgt.

Sanfter Entzug statt Schocktherapie

Wie bereits bei der Anhebung der Leitzinsen setzen die Zentralbanken auch beim Abbau der Wertschriften, die im Rahmen des Quantitative Easing über Jahre erworben wurden, auf die sanfte Tour. Einen kalten Entzug in Form eines raschen oder gar vollständigen Abbaus der geldpolitischen Stimuli würde das Finanzsystem nicht verkraften. So wird es mehrere Jahre dauern, bis der Patient wieder «clean» ist. Die aufgetürmten Wertschriftenberge sind gigantisch: Allein die Deutsche Bundesbank hält rund ein Viertel aller deutschen Bundesanleihen, die Bank of Japan gar 48% der japanischen Regierungspapiere, die US-Notenbank circa 20%. Beim Fed sind die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Entzug dank des fortgeschrittenen Konjunkturzyklus und der robusten globalen Nachfrage nach US-Papieren wohl am besten. Das Fed hat angekündigt, ihre Bestände an US-Staatspapieren und Hypothekaranleihen planmässig, aber ganz langsam zu verringern – um rund ein Viertel während der kommenden drei Jahre. Wir meinen, dass eine derart vorsichtige Gangart kaum einen Effekt auf die Finanzmärkte haben dürfte. Vor allem, weil die Verfassung der globalen Wirtschaft derzeit so gut ist wie noch nie seit der Krise.

Hohe Gewinne wecken hohe Ansprüche

Während der geldpolitische Entzug für die Börsen also kaum Gefahren birgt, lauern andernorts durchaus beträchtliche Risiken. Die Hausse an den Aktienmärkten, wo etliche Störfaktoren mehr oder weniger ignoriert wurden, verlangt nach einer Fortsetzung des dynamischen Wirtschaftsaufschwungs mit überdurchschnittlich steigenden Unternehmensgewinnen. Die Ansprüche sind angesichts der lange nicht mehr erreichten Dynamik hoch. Zu hoch? Bei Enttäuschungen könnten die Anleger schnell verschnupft reagieren. Sogar eine veritable Herbstgrippe ist nicht auszuschliessen.


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