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Momentum-Faktor liefert weiterhin klar positive Erträge.

Wie weiter mit dem Momentum-Faktor?

21. August 2019  - Die Trendwelle reiten und auf vergangene Gewinneraktien setzen: Was auf den ersten Blick als ein zu einfaches Rezept erscheint, macht gleichwohl Sinn. Auch 25 Jahre nach seiner Entdeckung lassen sich mit dem Momentum-Effekt attraktive Überrenditen erwirtschaften.

Momentum-Effekt ausnutzen

Im Jahre 1993 landeten die beiden Finanzprofessoren Jegadeesh und Titman einen Coup: In einem akademischen Fachartikel lieferten sie erstmals Evidenz für den Momentum-Effekt am Aktienmarkt. Konkret zeigten sie in einer empirischen Arbeit auf, dass der Kauf von Aktien, die in den vorangegangenen sechs bis zwölf Monaten zu den Gewinnern gehört haben, zu einer im Vergleich zum Gesamtmarkt signifikant positiven Performance führte. Wir liefern Ihnen heute eine Bestandsaufnahme:

  • Wie hat sich der Momentum-Effekt in den 25 Jahren seit seiner Entdeckung entwickelt?
  • Hat er immer noch seine Daseinsberechtigung oder ist er durch die vermehrte Aufmerksamkeit verschwunden?
  • Und wie wird der Effekt in der heutigen Zeit mit modernen Anlagemethoden extrahiert?

Warum gibt es den Momentum-Effekt?

Wie bei jeder Marktanomalie gibt es zwei Erklärungen für deren Existenz:

  1. Entschädigung für Risiko
  2. Verhaltenseffekt

Entschädigt die Anomalie für das eingegangene Risiko (Erklärung 1), existiert sie dauerhaft, allerdings tut es weh, wenn ein negatives Ereignis auftritt. Typische Risiken sind scharfe Korrekturen wie beispielsweise während der Finanzkrise. Basiert die Anomalie hingegen auf psychologischen Verhaltensweisen (Erklärung 2), gibt es keine negativen Risikoereignisse, allerdings besteht die Gefahr, dass der Effekt verschwindet, wenn eine steigende Anzahl von Investoren den Effekt ausnutzt. Eine mögliche psychologische Erklärung basiert darauf, dass Investoren beispielsweise auf überraschend gute Gewinnzahlen mit Verzögerung und dann auch nur nach und nach reagieren. Sie passen ihre Erwartungen nur unvollständig an, so dass der Preis sich erst einmal weniger bewegt, als es die Neuigkeiten rechtfertigen würden. Erst mit der Zeit passen sich die Erwartungen vollständig an, so dass der Preis der Aktie in dieser Phase an Momentum gewinnt.

Weiterhin klar positiver Ertrag

Wie die Grafik unten zeigt, hat sich der Momentum-Effekt seit seiner Publikation im Journal of Finance im Jahr 1993 reduziert, ist aber immer noch klar positiv. Es kann vermutet werden, dass zumindest ein Teil des Effekts auf dem psychologischen Erklärungsmuster basiert. Allerdings weist der Faktor noch immer einen klar positiven Ertrag auf, so dass die dauerhafte Natur des Effekts auch auf eine Risikoentschädigung hindeutet.

Umsetzung mit Multifaktor-Ansatz

In der praktischen Umsetzung in einem Portfolio funktioniert Momentum besonders gut, wenn es mit dem Faktor Value kombiniert wird. Die beiden klassischen Faktoren sind negativ korreliert, so dass sie in der Summe das Risiko deutlich reduzieren. Deshalb leisten beide Effekte im Rahmen eines Multifaktor-Ansatzes quantitativer Investoren einen wichtigen Beitrag.

Momentum-Faktor existiert weiterhin

Jährliche Prämie des Momentum-Faktors

Momentum-Faktor existiert weiterhin

Portrait Andreas Kappler

Über den Autor

Andreas Kappler, Portfolio Manager, arbeitet seit 2012 bei Swisscanto Invest by Zürcher Kantonalbank im Schwerpunkt an der Weiterentwicklung von Aktienselektionsmodellen. Zuvor war er als Fondsmanager bei Clariden Leu und der Credit Suisse. Seine Ausbildung hat Andreas Kappler an der Universität Zürich mit einer Promotion in Volkswirtschaft (Spezialisierung Ökonometrie) abgeschlossen.


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