Schweiz: Grosszügige Ausschüttungen und dazu ein steuerlicher Leckerbissen

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Schweiz: Grosszügige Ausschüttungen und dazu ein steuerlicher Leckerbissen
Von Peter Stenz publiziert am 18. April 2019 in der Kategorie Aktien
Die jüngst in den USA aufgekommene Diskussion um Aktienrückkäufe hat uns veranlasst, auch das Verhalten der Schweizer SMI-Unternehmen punkto Aktienrückkäufe unter die Lupe zu nehmen. Dabei zeigte sich: In der Schweiz spielt neben den Aktienrückkäufen eine weitere Ausschüttungsvariante eine wichtige Rolle.

Silke Humbert konnte im ersten Beitrag unserer Serie zu Aktienrückkäufen bereits aufzeigen, dass das Ausmass der Aktienrückkäufe in den letzten fünf Jahren auch hierzulande zugenommen hat. Doch zeigten sich SMI-Unternehmen mit einem Anteil von durchschnittlich knapp 20% der Aktienrückkäufe am ausgewiesenen Reingewinn deutlich zurückhaltender als Unternehmen des S&P 500 mit 57%.

Aktienrückkäufe sind bloss eine Seite der Medaille

Unternehmen führen bekanntlich Anteile am Reingewinn in Form von Dividenden und/oder in Form von Aktienrückkäufen an ihre Aktionäre zurück. Um die "Grosszügigkeit" der Unternehmen gegenüber ihren Aktionären zu beurteilen, müssen somit sowohl Dividenden als auch Aktienrückkäufe betrachtet werden.

Die nachfolgende Abbildung zeigt die durchschnittliche Ausschfüttung an die Aktionäre in % des Reingewinns in den Jahren 2014 bis 2018. Die SMI-Unternehmen unterscheiden sich einerseits beim Gesamtmittelfluss an die Aktionäre nicht wesentlich von den US-amerikanischen Unternehmen. Andererseits sticht die (überraschend) hohe Ausschüttungsquote von 95% ins Auge.

Ausschüttung an die Aktionäre (2014 - 2018) 

S&p 500 Unternehmen

Schweizer Spezialität: Steuerfreie Dividende

Sowohl in der Schweiz als auch in den USA sind Aktienrückkäufe für den Aktionär steuerlich grundsätzlich vorteilhafter als Dividenden. In den USA gibt allein dieser Steuervorteil den Ausschlag für die immense Popularität von Aktienrückkäufen.

Nun mag man sich fragen, warum denn Aktienrückkäufe in der Schweiz nicht ähnlich populär sind? Dies ist ein Resultat der am 1. Januar 2011 in Kraft getretenen Unternehmenssteuerreform II. Die erlaubt es Unternehmen, Zahlungen an die Aktionäre nicht nur aus den Gewinnen, sondern auch aus den Reserven aus Kapitaleinlagen zu tätigen. Solche Zahlungen sind (im Gegensatz zu Zahlungen aus übrigen Reserven) für den Anleger komplett verrechnungs- und einkommenssteuerfrei.

Kein Wunder, dass die SMI-Unternehmen seit der gesetzlichen Neuerung von dieser Möglichkeit regen Gebrauch gemacht haben. Statt auf das Instrument des Aktienrückkaufs zu setzen, haben Schweizer SMI-Unternehmen ihre "Dividenden" vielfach in Form von Rückzahlungen aus Kapitaleinlagereserven ausgeschüttet. Würde man die im Durchschnitt der Jahre 2014-2018 auf diese Weise ausgeschütteten Beträge zu den Aktienrückkäufen hinzurechnen, so würde deren Anteil um mehr als 15% (siehe Tabelle 2) auf fast 35% steigen.

Werden die Aktienrückkäufe auch in der Schweiz zunehmen?

Bei einzelnen SMI-Unternehmen, beispielsweise ABB, Adecco, Givaudan und Zurich, haben sich die Kapitaleinlagereserven in der Zwischenzeit erschöpft. Und so ist - wenig überraschend - der Abbildung zu entnehmen, dass sich der Anteil des Mittelflusses aus Kapitaleinlagereserven von 18.3% im Jahr 2014 auf 9.1% im Jahr 2018 reduziert hat. Gleichzeitig hat der Anteil der Aktienrückkäufe in der Tendenz zugenommen.

Wir erwarten, dass sich mit schwindenden Reserven aus Kapitaleinlagen der Anteil der Zahlungen aus solchen Reserven für die SMI-Werte in den kommenden Jahren weiter reduzieren wird. Wenn sich die Unternehmen auch in Zukunft ähnlich grosszügig gegenüber ihren Aktionären zeigen wollen, bleiben ihnen nur die Möglichkeiten "Dividende aus übrigen Reserven" und "Aktienrückkäufe". Deshalb dürfte der Anteil der Aktienrückkäufe unseres Erachtens weiter zunehmen. Hinweise darauf geben die seit Mitte 2018 neu angekündigten Aktienrückkaufprogramme. Darunter befinden sich sogar Unternehmen wie UBS und Credit Suisse, die noch über Jahre steuerfreie Dividenden aus Reserven auf Kapitaleinlagen auszahlen könnten.

Mittelfluss an die SMI-Aktionäre in % des Reingewinns 2014 - 2018

Mittelfluss an SMI-Aktionäre

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Aktien