Auswirkungen der Klimarisiken auf die Finanzmärkte

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Auswirkungen der Klimarisiken auf die Finanzmärkte
Von Gerhard Wagner publiziert am 19. Juli 2019 in der Kategorie Nachhaltigkeit
Die Stabilität von Finanz- und Klimasystem wird durch Kipp-Punkte ("Tipping points") bedroht. Trotz langjähriger Bekenntnisse der Politik zum Klimaschutz sind Umsetzung und Erfolg bisher unzureichend. An den "Fridays for Future"-Demonstrationen verfolgen die Schüler im Kern nur ein Anliegen, dass nämlich die Politik das Pariser Klimaabkommen umsetzen soll, das 197 Länder weltweit im Jahr 2015 unterschrieben haben. Eine von Wissenschaftlern entwickelte Roadmap skizziert die Lösung.

Von den schmelzenden Gletschern in den Alpen und der Arktis über den deutschen Dürresommer 2018 bis zu den Waldbränden Kaliforniens - die Folgen des menschengemachten Klimawandels werden immer sichtbarer. Wir destabilisieren durch unsere CO2-Emissionen unser Klimasystem und treiben Risiken in die Höhe.

Die sogenannten Kipp-Punkte rücken näher, wenn wir unseren Ausstoss von Treibhausgasen aus fossilen Brennstoffen nicht sofort reduzieren und bis Mitte des Jahrhunderts beenden. Ein Kipp-Punkt kann z.B. das Auftauen des Permafrosts in der Arktis sein, wodurch enorme Mengen des Treibhausgases Methan in die Atmosphäre gelangen. Dies wird die Erderwärmung nochmals beschleunigen und praktisch unumkehrbar machen.

Das Ziel von Paris, die Erderwärmung auf maximal 1,5 bis 2 Grad Celsius zu beschränken, wäre dann nicht mehr zu erreichen. Deswegen demonstriert die Jugend - weltweit. Zu den "Fridays for Future“ gesellen sich die "Scientists for Future“. Mehr als 12'000 Wissenschaftler unterstützen die Jugendlichen, die für eine bessere Klimapolitik streiken.

Starke Reduktion der CO2-Emissionen erforderlich

Nachdem es bei unzähligen Klimagipfeln nicht gelungen war, sich auf konkrete Klimaschutzmassnahmen zu einigen, schlug der Wissenschaftler Johan Rockström (Science, 2017) folgende einfache Faustformel vor, an der sich weltweit mittlerweile viele Umweltökonomen und Politikberater orientieren: Ausgehend von den 40 Milliarden Tonnen Kohlenstoffdioxid, die der Mensch im Jahr 2020 in die Atmosphäre emittieren wird, sollen es zehn Jahre später nur noch 20, eine weitere Dekade später nur noch zehn und bis 2050 nur noch etwa fünf Gigatonnen jährlich sein (Grafik).

Würde dieser Faustregel befolgt, bestünde eine realistische Chance, dass der Anstieg der globalen Temperatur auf zwei Grad Celsius gegenüber der Zeit vor der Industrialisierung begrenzt werden könnte.

Klimarisiken sind Finanzmarktrisiken

Finanzmärkte verarbeiten Informationen, bewerten Chancen und Risiken. Daher gehört es auch zu den Aufgaben der Finanzmarktteilnehmer, dass sie die mit dem Klimawandel verbundenen Risiken und Chancen berücksichtigen.

Zu den physischen Risiken des Klimawandels gehören die direkten Einflüsse auf die Wertschöpfungskette wie z.B. die Schäden an Produktionsanlagen in Folge von extremen Wetterereignissen. Zu den Transitionsrisiken zählen Risiken, die durch den Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft entstehen und zu einer Neubewertung von Unternehmen führen. Auftreten werden Transitionsrisiken beispielsweise durch politische Massnahmen wie einer CO2-Steuer oder durch die Förderung CO2-armer Technologien durch die Politik. Physische Risiken und Transitionsrisiken weisen eine negative Korrelation auf.

„Stranded Assets“

Als „Stranded Assets“ werden Anlagen bezeichnet, die aufgrund der Änderung von Regulierungen, der physischen Umwelt oder neuen Technologien eine vom Finanzmarkt bisher nicht erwartete Abwertung erfahren. Ein Beispiel für ein "Stranded Asset“ wäre ein Kohlekraftwerk, das aufgrund höherer Emissionseffizienzkriterien nicht mehr betrieben werden darf. Nicht auszuschliessen ist es, dass als unmittelbare Folge eines stark steigenden CO2-Preises "Stranded Assets“ im grossen Umfang entstehen.

Klimarisiken müssen transparent sein

Erst wenn die Klimarisiken im Finanzsektor ausreichend transparent und verstanden sind, können sie richtig eingepreist werden. Der CO2-Fussabdruck von Unternehmen und von Anlagefonds ist ein erster Schritt, die Klimarisiken besser zu verstehen. Der CO2-Fussabdruck ist ein Mass für die Treibhausgasemissionen, die direkt und über den Einkauf von Strom und Wärme von Unternehmen verursacht werden. Der Vergleich mit dem Benchmark gibt einen Hinweis, wie CO2-intensiv die Unternehmen ihre Produkte oder Dienstleistungen herstellen. Swisscanto Invest weist den CO2-Fussabdruck von seinen nachhaltigen Fonds im Vergleich zum Benchmark aus. Die Fonds schneiden bei den CO2-Emissionen deutlich besser als ihre Benchmark ab.

Die einleuchtende Schlussfolgerung: Firmen/Aktien in den nachhaltigen Fonds werden von steigenden CO2-Preisen weniger betroffen sein als der Durchschnitt der Unternehmen in der Benchmark. Nachhaltige Fonds bieten hier klare Vorteile.

Ambitioniert: Rockström-Fahrplan verringert CO2-Ausstoss drastisch 

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Nachhaltigkeit