Inhaltsseite:Die Stellung des Asset Managements in der Schweiz und die Veränderungen in der Produktlandschaft

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Die Stellung des Asset Managements in der Schweiz und die Veränderungen in der Produktlandschaft

Iwan Deplazes, Leiter Asset Management im Interview mit der "Schweizer Bank".

"Potenzial auf der Anlageseite"

Sie präsidieren die vor einem Jahr neu aufgestellte Asset-Management-Plattform. Diese hat zum Ziel, die Rahmenbedingungen für das Asset Management in der Schweiz markant zu verbessern. Was sind die grössten Herausforderungen auf diesem Weg?

Iwan Deplazes: Weil die Schweiz eine beschränkte Marktgrösse für Asset Management hat, ist es für die Branche zentral, dass sie Produkte und Dienstleis­tungen ins Ausland exportieren kann. Der Marktzugang in Eu­ropa ist eine wichtige Vorausset­zung und gleichzeitig eine Herausforderung. Um diesen zu erhalten, brauchen wir regulatorische Äquivalenz mit der EU. Dafür sollten das Finanzdienstleistungs­- und das Finanzinstitutsgesetz – Fidleg und Finig – weitgehend die materielle Umsetzung der europäischen Richtlinie MiFID II sein.

Also nur regulatorische Herausforderungen?

Das Asset Management ist hierzulande immer im Schatten des Private Banking gestanden. Wir müssen als Branche besser erklären, was Asset Management ist, das Verständ­nis für die Disziplin fördern sowie deren volkswirtschaftli­chen Nutzen aufzeigen. Darüber hinaus wollen wir in der Schweiz attraktive Rahmenbedingungen schaffen, damit ausländische Asset Manager in der Schweiz nicht nur Pro­dukte vertreiben, sondern auch Produktionskapazitäten aufbauen. Immerhin sind 28 der 30 grössten Asset Ma­nager der Welt in der Schweiz präsent, viele jedoch aus­schliesslich mit Vertriebsaktivitäten.

Und wie kann die Schweiz auch als Produktionsstandort attraktiver werden?

Damit hier mehr Produktionskapazitäten aufgebaut wer­den, braucht es drei Voraussetzungen: Den Marktzugang, ein steuerliches Umfeld, das die Schweizer Asset­-Manage­ment­-Lösungen gegenüber ausländischen nicht benachtei­ligt und hochqualifiziertes Personal. Bei der Rekrutierung profitieren wir dabei von den ausgezeichneten Hochschu­len in der Schweiz.

Was sind die steuerlichen Nachteile der Schweiz?

Vor allem die Stempelsteuer benachteiligt uns gegenüber anderen europäischen Märkten.

Angenommen, der Marktzugang wäre gewährleistet, wie stark könnte die Schweiz zulegen?

Das ist schwierig zu beziffern. Im letzten Jahr sind die Schwei­zer Asset Manager im Ausland tendenziell stärker gewachsen als in der Schweiz. Unsere Bran­che scheint also wettbewerbs­fähig und konkurrenzfähig zu sein. Darum bin ich zuversicht­lich, dass der Marktzugang ei­nen substanziellen Wachstums­schub bringt.

Es sollen ja möglichst viele Akteure und Verbände ihre Interessen auf der Plattform bündeln. Gelingt das?

Ich darf mit Stolz sagen, dass wir es mit der Plattform ge­schafft haben, eine Brücke zwischen Bankiervereinigung, SFAMA und Versicherungsverband zu schlagen. Zudem sind die grössten Asset Manager mit von der Partie.

Sind die Asset Manager auch aktiv und gewillt, ihren Beitrag zu leisten?

Ja, sie sind bereit, Ressourcen bereitzustellen: einerseits für die Bildung von Arbeitsgruppen und anderseits finanzielle Mittel, damit wir etwas bewegen können, auch in der Öf­fentlichkeit.

Also ein klar gesteigerter Ressourceneinsatz für das Asset Management im Vergleich zu früher.

Ja, wir wollen in der Öffentlichkeit stärker wahrgenommen werden und aufzeigen, was die Asset­ Management ­Industrie leistet und welchen volkswirtschaftlichen Nutzen sie bringt. Das entsprechende Rohmaterial aufzubereiten, er­ fordert Ressourceneinsatz.

Was erwarten Sie von Behörden und Politik?

Wir spüren ein wachsendes Bewusstsein für das Asset Ma­nagement. Das hat auch mit der beruflichen Vorsorge zu tun und in diesem Zusammenhang mit dem "dritten Beitragszah­ler", der Anlagerendite, die immer mehr ins Licht rückt. Da­mit stossen wir auf offene Ohren bei Behörden und Politik.

Im Fokus steht die Altersvorsorge und die klare Absicht der Schweizer Asset Manager, ihre Dienstleistungen konkurrenzfähig von der Schweiz aus im Ausland anzubieten – also die Exportfähigkeit. Was hat sich hier bewegt?

Auf den politischen Entscheid in Brüssel kön­nen wir natürlich keinen Einfluss nehmen. Aber die Schweiz kann die Basis dafür schaf­fen, damit ein positiver Entscheid zustande kommen kann. Das ist wie gesagt abhängig von der regulatorischen Äquivalenz. Mit Fid­leg und Finig sollte uns das gut gelingen.

Hat der Brexit einen Einfluss auf diesen politischen Entscheid?

Ja, mit Sicherheit. Derzeit ist es aber schwie­rig zu beurteilen, ob sich der Brexit zugunsten oder zulasten von Nicht­-EU­-Ländern auswirken wird. Letztlich hängt es auch da­von ab, ob die EU ein Interesse hat, Nicht­-EU­-Länder von ihrem Markt auszuschliessen oder nicht. Das wird sich zeigen.

Die Asset-Management-Plattform will durch aktives Bewerben und Branding die Bekanntheit des Standortes Schweiz fördern sowie Neugeschäfte anziehen. Wie sehen die Pläne in Sachen Promotion aus?

Bei unserem Vorhaben handelt es sich nicht um einen 100­-Meter­-Lauf, sondern um einen Marathon. In einem ersten Schritt müs­sen wir die Disziplin Asset Management in der Schweiz stärken und uns für gute regu­latorische Voraussetzungen einsetzen. Erst wenn wir dies erreicht haben, werden wir das hiesige Asset Management und unsere Dienstleistungen im Ausland bewerben.

Ist in der Schweiz in nächster Zeit etwas geplant?

Wir betreiben keine Ankündigungspolitik und wollen keine Erwartungen schüren.

Gibt es denn etwas Handfestes, mit dem sich die Plattform schon etablieren konnte?

Das erste Resultat der gemeinsamen Aktivi­täten von Bankiervereinigung und SFAMA ist die Studie zum "dritten Beitragszahler" – also zu den Anlagerenditen in der berufli­chen Vorsorge.

Haben Sie für dieses Jahr etwas in der Pipeline?

In diesem Jahr werden wir eine neue Home­page aufschalten, und wir wollen neue Zahlen aus dem Asset Management für den Standort Schweiz präsentieren.

Immer mehr Geld fliesst in passive Anlagevehikel. Bereits über 20 Prozent der angelegten Vermögen in der Schweiz. Wie stark setzen Institutionelle auf günstige Indexprodukte?

Die Schweiz nimmt gegenüber anderen eu­ropäischen Ländern bei den passiven Produkten eine Vorreiterrolle ein. Die Durch­dringung von Indexlösungen ist hierzulande deutlich höher als in anderen europäischen Ländern. Das ist darauf zurückzuführen, dass gerade institutionelle Anleger auf diesen Trend aufgesprungen sind.

Was sind die Auswirkungen auf die traditionellen Gebührenstrukturen und auf die Margen?

Eine Zunahme von Indexlösungen im Port­foliokontext erhöht tendenziell den Margendruck. Wenn es dem aktiven Asset Manage­ment nicht gelingt, im Vergleich zu indexierten Lösungen auch nach Kosten Mehrwert abzu­werfen, wird der Druck auf die Gebühren wei­ter zunehmen.

Wie reagieren Sie als aktiver Manager auf diese Entwicklung?

Wir verfügen als Anbieter über ein duales Dienstleistungsangebot. Einerseits offerieren wir ein breites Indexangebot. Andererseits fo­kussieren wir uns im aktiven Geschäft auf eine ausgeprägt aktive Positionierung und er­höhen damit die Chancen, einen Mehrwert erzielen zu können. Das Know­how aus dem Index­-Bereich erlaubt uns zudem Effzienzsteigerungen auch im aktiven Management.

Was heisst das für Ihr Produktangebot?

Wir verfügen im passiven Bereich über rund 60 Module bzw. Indexbausteine, die es ermög­lichen, alle Strategien umzusetzen. Darüber hinaus haben wir als Antwort auf das Tiefzins­umfeld Lösungen entwickelt, die dem Kunden ermöglichen, in schwieriger zugängliche Risi­koprämien zu investieren. Unter anderem ha­ben wir eine Hypothekenanlagestiftung lan­ciert, einen alternativen Risikoprämienfonds oder einen Volatilitätsfonds.

Also keine Verdrängung der aktiven Manager?

Gerade die letzten drei Jahre haben gezeigt, dass das aktive Management nach Kosten nachhaltigen Mehrwert schaffen kann. Es wird auch in Zukunft eine grosse Bedeutung haben und über 50 Prozent der Vermögens­bewirtschaftung ausmachen.

Die AV 2020 ist vom Tisch – eine Katastrophe für die Vorsorgeinstitutionen?

Nein. Am schwierigsten ist die Situation für jene Pensionskassen, die im BVG­-Minimum agieren oder auch für Sammelstiftungen, weil der Umwandlungssatz von 6,8 Prozent nicht kompatibel mit der Langlebigkeit ist. Realität ist aber auch, dass die Pensionskassen im über­obligatorischen Teil bereits seit Jahren ihre Umwandlungssätze nach unten anpassen.

Welche Schlüsse haben Sie als Asset Manager aus dem Nein zur AV 2020 gezogen?

Die AV 2020 hat sich auf Leistungskürzungen und Beitragserhöhungen fokussiert. Hingegen ist der "dritte Beitragszahler", die Anlageren­dite, ganz in Vergessenheit geraten. Wir als Anlageprofis sind überzeugt, dass beim dritten Beitragszahler Optimierungen möglich sind.

Können bei gleichem Risiko tatsächlich höhere Renditen erzielt werden?

Wir sind überzeugt, dass Pensionskassen mit ihrem langfristigen Horizont gute Vorausset­zungen haben, stärker in illiquide Märkte zu investieren und somit ihre Anlagen breiter zu diversifizieren. Dort sehen wir eindeutig Po­tenzial, um die Anlageseite zu optimieren.

Was steht im Weg?

Einerseits fehlt das Bewusstsein für die Rele­vanz des dritten Beitragszahlers: Bereits 0,1 Prozent mehr Rendite im ganzen Vorsorgewe­sen führen zu 800 Millionen Franken mehr Vermögen. Anderseits gibt es eine unberech­tigte Zurückhaltung gegenüber Privatmarkt­anlagen. Es braucht also Wissensvermittlung, aber auch ein grösseres Angebot im Bereich der Privatmarktanlagen, damit eine breitere Klientel in diese Anlagen investiert.

Spüren Sie hier schon eine gewisse Bewegung?

Absolut, und zwar auf beiden Seiten. Auch unsere Swisscanto­ PK­-Studie zeigt, dass im Moment vor allem grössere Pensionskassen sich immer stärker in diese Richtung bewegen. Auf der anderen Seite sehen wir auf An­bieterseite immer mehr Lösungen im Pri­vatmarktbereich. Sowohl die beiden Grossbanken als auch wir haben beispiels­weise Hypothekenlösungen lanciert.

Ist das Risikomanagement von Pensionskassen der Komplexität alternativer Anlagen gewachsen?

Alternative Anlagen sind nicht grundsätzlich gleichzusetzen mit hoher Komplexität. Aber natürlich erfordert auch der Umgang mit nichtkotierten Anlagen wie Private Debt und Private Equity ein professionelles Risikoma­nagement.

Sind diese Voraussetzungen gegeben?

Die Pensionskassen haben viel in gute Über­wachungs­- und Risikomanagement-Systeme investiert. Mit der Konsolidierung bezie­hungsweise mit zunehmender Grösse ist die Professionalität zusätzlich gestiegen.

Aber es gibt immer noch sehr viele – manche sagen zu viele – Pensionskassen in der Schweiz.

Es ist das Wesen unseres Systems, dass Pen­sionskassen im Verbund mit Unternehmungen stehen. Das führt zu Diversität unter den Pensionskassen. Auch kleinere Pensionskas­sen können ihre Anlagen etwa über Kollek­tivvehikel mit anderen Vorsorgeeinrichtun­gen konsolidieren. Alternativ kann eine Pensionskasse einen Experten beiziehen, der sie im Risikomanagement unterstützt. In diesem Sinn ist die Konsolidierung auf ver­schiedenen Ebenen weit vorangeschritten.

Wie stark schränken die Bandbreiten der BVV2-Richtlinien die Diversifikation der Anlagestrategien wirklich ein?

Die Regulation lässt heute mit dem Artikel 50 bereits zu, über die BVV­-Limiten hinauszugehen. Die Pensionskassen müssen jedoch eine gesonderte Erklärung dazu abgeben. Erstaunlicherweise haben in der letzten Swisscanto­-Studie 44 Prozent angegeben, dass sie von diesem Artikel Gebrauch ma­chen. Viele Pensionskassen sehen in diesen Limiten also nicht den besten Ratgeber für die optimale Allokation ihrer Vorsorgegelder.

Mehr als die Hälfte der PKs halten aber an den Limiten fest.

Ja, sie haben leider immer noch einen Leit­charakter. Aber gerade bei Pensionskassen, die über keine professionelle Anlageorga­nisation verfügen, können die Limiten zu Falschinterpretationen führen. Darum sind wir überzeugt, dass ein gänzlicher Wegfall dieser Limiten die Professionalität fördern würde. Wir propagieren die sogenannte Prudent Investors Rule. In diesem Rahmen kann jede Vorsorgeeinrichtung entlang ihrer indi­viduellen Risikofähigkeit und Liquiditätssi­tuation ihre Anlagestrategie selber wählen – unabhängig davon, ob sie in nichttraditionelle oder traditionelle Anlagen investiert.

Viele Pensionskassen sind stark in Immobilien investiert. Ein Klumpenrisiko?

Pensionskassen haben gut einen Fünftel in Immobilien investiert, was in den vergangenen Jahren häufig zu einem hervorragenden Ergebnis geführt hat. Grundsätzlich sind Immobilien also ein gutes Investment. Sie bringen meist eine stetige Rendite, was für Pensionskassen ideal ist. Ein Risiko würden Immobilien dann darstellen, wenn man nur auf einzelne Objekte gesetzt hätte oder wenn man die mit Immobilienanlagen verbundene Illiquidität nicht genügend tragen kann.

Aktien sind im anhaltenden Tiefzinsumfeld eine weitere Alternative zu den Festverzinslichen. Wie lange bleiben sie das noch, und wie sollten PKs auf mittelfristige Sicht allozieren?

Das Timing ist sehr schwierig, darum tun Pensionskassen gut daran, wenn sie sich an ihrer langfristigen Strategie orientieren, denn diese ist auf ihre Verpflichtungssitua­tion ausgerichtet. Grundsätzlich gilt: Die Nerven nicht verlieren, wenn es Korrekturen gibt. Aktien werden wohl so lange attraktiv bleiben, wie das Zinsumfeld tief bleibt. Gegenüber Obligationen weisen Aktien nach wie vor ein attraktives Rendite­-Risiko­-Verhältnis auf; darum gehören sie mit einem we­sentlichen Gewicht in die Anlagestrategie von Pensionskassen.

Wie steht es mit nachhaltigen Anlagen bei PKs?

Wir spüren ein wachsendes Interesse an Nachhaltigkeit bei Pensionskassen. Die meisten Pensionskassen haben für ihre Anla­gen inzwischen Nachhaltigkeitskriterien und Vorgaben in Form von Blacklists oder Aus­schlusskriterien definiert. Wir denken, dass das Thema Nachhaltigkeit in den nächsten Jahren – vielleicht sogar regulatorisch getrie­ben – noch wichtiger werden wird.

Original-Interview herunterladen (PDF, 2 Seiten, 389 KB, Quelle Schweizer Bank (02/18))


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